Sorry, blog full ! 

Damit euch nicht langweilig, wird gibt es einen vierten Blog! Ihr findet ihn unter:

2Bikes1Year.jimdo.com

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3.1-9.1 Koh Phangan
Schietwetter
Das Festival ging zu Ende und mit ihm auch das gute Wetter. Durchnäßt erreichen wir die Fähre, die unbarmherzig klimatisiert ist. Prompt stellt sich kurz darauf eine Erkältung ein. Unsere Bungalowanlage ist leider weit ab vom Schuß und die Behausung schimmlig und muffig. Die schlimmsten Regenfälle der letzten 10 Jahre gehen über die Insel nieder. Straßen unpassierbar überflutet. Auf der Nachbarinsel und auf dem Festland fordert der Monsunregen sogar Todesopfer. Um zum Restaurant zu kommen, müssen wir durch einen fast kniehohen See waten. Das nahe Koh Samui sehe ich erst Tage später als es ein wenig aufklart. Hunderte Liter pro Quadratmeter unerbitterlichen Starkregens machen uns das Leben schwer. Alles ist klamm, gewaschene Kleider werden über Tage nicht trocken und der Bewegungsradius ist eingeschränkt. Schlafen, Rumhängen, Sangsom trinken. Viel Möglichkeiten blieben nicht übrig, wie man an den frustsaufendem Publikum des Restaurants der Bungalowanlage sehen konnte. Ich bin froh, dass mich unsere Freunde unermüdlich mit Medikamenten aufzupeppeln veruchen und sich nicht gänzlich die Laune verderben lassen. Ihre Mission unverschämt braun aus dem Winterurlaub zu kommen ist auch grandios gescheitert. Sagen wir es so, es hätte uns noch schlimmer treffen können. Teile der Insel sind isoliert und ohne Strom. Mein Tauchschein ist auch mal wieder im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Am 9. nehmen wir das Slowboat zum Festand, bei hoffentlich ruhiger See, und versuchen wieder auf die andere Seite zur Andamanensee zu gelangen. Leider sind dort wohl viele Straßen wegen Überflutungen und Erdrutschen gesperrt. Nächstes Ziel, das hoffentlich sehr sonnige Koh Lanta.

30.12 - 3.1.2017 Koh Tao
Wir nehmen die Fähre um 7 Uhr morgen, weil es bei der frühen Überfahrt weniger Wellengang haben soll. Pustekuchen. Es ist jedoch so stürmisch, dass sich die Fahrzeit verdoppelt. Ein vierstündiges Marthyrium, bei dem sich fast das ganze Boot übergeben musste. Schwach kommen wir auf der Insel an. Zu allem Überfluß müssen wir über einen unangenehm steilen Berg, um zu unserer Bungalowanlage zu kommen. Beim Hochschieben der 25 % Steigung in Flip Flops hole ich mir Blasen. In solchen Momenten schaffe ich es nicht ruhig zu bleiben.  Wir sind völlig im Eimer, als wir ankommen. Die Anlage liegt aber traumhaft schön. Der Bungalow am Hang hat Meerblick, die Wellen bilden eine beruhigende Geräuschkulisse. Unsere Bucht ist gesäumt von riesigen Steinen und im Riff tummeln sich bunte Fische wie Falter-, Papagei- oder Drückerfische. Riesenmuscheln, Seegurken, Leder- oder Blumensternkorallen. Alles direkt vor der Haustür. Meine absolute Lieblingsinsel bislang.

Das Festival ist 1 Kilometer entfernt auf der Bergspitze. Der Aufstieg ist eine schweißtreibende Angelegenheit, aber es lohnt sich. Wir haben eine gute Zeit mit Mari und Sebastian. Familyfeeling. Kaum ein besseren Ort kann ich mir vorstellen, um Silvester zu verbringen.  Auf dem Festival wird weitergefeiert bis zum 2.1. Dann ruhen wir einen weiteren Tag aus, bevor wir gemeinsam weiterfahren nach Koh Phangan schippern. Das schlechte Wetter kommt näher, aber bis jetzt ist alles noch trocken.
Ich hoffe ihr seid alle heil und glücklich ins neue Jahr gekommen.

29.12 Palmölplantage - Chumphon Bootsanleger 62 km, 300 HM
Entspannter Fahrtag ohne große Anstiege. Straßenbelag heute zum Teil desolat und wir haben mit Gegenwind zu kämpfen. Sind um die Mittagszeit beim Bootsanleger und checken in ein schickes Guesthouse gegenüber ein. Stürmisch, aber sonnig heute. Der Wetterbericht für die nächsten 10 Tage bereitet uns Kopfzerberechen. Sturm und Regen zum Jahreswechsel wäre bitter. Den Abend schließen wir auf dem Nachtmarkt ab. Wir essen unschlagbar günstige Makrele und Pfeilschwanzkrebssalat.

28.12 Koh Phayam - Palmölplantage (wie immer), 1300 HM, 75 km

19000 km heute!
Runter von der Insel und in Ranong noch ein paar Erldeigungen gemacht. Direkt nach Ranong geht es in die Berge. Kaum zu glauben, dass es noch steiler werden kann, als in Birma. 24 % ! Wer baut solche Straßen? Langanhaltender Tropenregen macht den Fahrtag auch nicht angenehmer. Die Straße ist gut ausgebaut und führt durch schöne Wälder. Es ist schön, wieder durch das authentische Festland-Thailand zu radeln. Essen kostet nur einen Bruchteil der Inselpreise, dafür kann man nicht immer Wählen was auf den Tisch kommt. Meistens gibt es ein Essen und man lässt sich überraschen, was es ist. Heute gab es, zu unserem Leidwesen, Innereien-Wurst-Glasnudelsalat. Yummy.. Zelten, als der nächste Schauer aufzieht, Hals über Kopf in einer Plantage. Einer der lichten und ebenen Sorte, da hatten wir schon schlechtere Zeltplätze. Die ganze Nacht prasselt der Regen aufs Zelt. Immerhin ist es heute mal nicht zu warm.

23. - 27.12 Ranong - Koh Phayam
Mit dem Slow Boat geht es auf die autofreie Insel. Unsere Bungalowanlage liegt in einem Cashewnußwäldchen 300 Meter entfernt vom Aow Yao, dem Hauptstrand. Als ich ankomme fühle ich mich schwach, fiebrig und übermüdet. Alle Beschwerden lösen sich in den nächsten Tagen in Luft auf. Ich schlafe tief und erholsam, wie lange nicht mehr und an unseren Tagesablauf kann ich mich auch sehr gut gewöhnen. Morgens am Strand laufen und Kraulen üben. Faulenzen, Schwimmen, Lesen und ab und an ein Mango-Daiquiri. Die Insel hat schöne Strandbars und Restaurants, der Strand ist sauber. Es sind nicht zu viele Familien und Pärchen da. Erst nach 2 Tagen waren wir bereit, auch die Buffalo Bay mit der Hippy Bar zu erkunden. Wir haben jede Sekunde Ruhe gebraucht, um die Akkus wieder aufzuladen. Alles ist hier genau richtig, von der Wassertemperatur bis zum Sonnenuntergang. Empfehlenswert!

Myanmar, 29.11. - 22.12.2016: Mae Sot - Ranong 1.256 KM, 11.647 HM


"Wir haben nicht Tadschikistan überlebt, um uns von Burma kleinkriegen zu lassen."


Tja, wer Abenteuer bestellt, darf sich nicht wundern, wenn er  welche bekommt.
In Birma waren wir ziemlich nah dran, kleinbeizugeben und das Radeln sein zu lassen. Letztendlich haben wir uns doch über die 700 Hügel gequält, die bisher steilsten auf unserer Tour.
Burma ist gewissermaßen das Tadschikistan Südostasiens. Erschreckend arm, scheiß Straßen , kaum Infrastruktur und fiese Magen-Darm-Erreger.


Nachdem wir uns die Hauptstadt Yangon und die Tempelanlagen von Bagan im Norden des Landes angesehen hatten, haben wir eine Strecke in den Süden gewählt, die wohl erst seit ein paar Wochen für Ausländer passierbar ist. Es war also für beide Seiten ziemliches Neuland. Die Reaktionen der Birmesis auf uns changierten dementsprechend zwischen fassunglosem Starren und freudigem Winken und Rufen. Die Zivilpolizei auf dem Moped immer dicht hinter uns. Die Burmis sind dabei ausgesprochen nett. Obwohl die Menschen dort in den primitivsten Hütten wohnen, konnten wir uns nicht erwehren, das ein oder andere Mal eingeladen zu werden.
 Ein Großteil der burmesischen Landbevölkerung ist übrigens dauerstoned, dank Bethelnuss. Nebenwirkung sind rotverfärbte, kaputte Zähne und der Drang ständig auf den Boden rotzen zu müssen. Absolute Drogenempfehlung!


Wir sind jetzt reif für die Insel und haben uns diese nach den Strapazen auch redlich verdient. Für uns heißt's jetzt 4 Wochen Urlaub auf Koh Phayam, Ko Tao, Koh Phanghan und Koh Lanta mit Panda- und Goafamily. Mal sehen, ob ich das Tanzen verlernt habe.


Achso, für meine Linguistenfreunde: Birmesisch ist übrigens verwandt mit dem Badischen und geht mir dementsprechend leicht über die Lippen. "Hallo" heißt zum Beispiel Mingalaba und "Danke" so etwas wie Jesu Dambedei!


In diesem Sinne, euch ein gesegnetes Weihnachtsfest.

22.12  Plantage 3 - Ranong, 111 km, 1000 HM
"good guys in, bad guys out" Leitfadenplakat, Einreisestelle Thailand
Plantage diesmal nicht so spooky wie in der vorherigen Nacht. Sind bei Sonnenaufgang auf der Straße. Wir wollen heute noch die Grenze erreichen. Wir sind erstaunt, als wir heute tatsächlich einen Reiseradler treffen. René aus Friedrichshafen bringt uns Glück, denn das Terrain wird einfacher. Das Schlimmste ist endlich überstanden. Haben um 12 Uhr Mittags tatsächlich schon 4 Mal gegessen. Rekord. Der Grenzübertritt verläuft unproblematisch und wir bekommen wie erhofft ein 30 Tagesvisum ausgestellt. In Ranong bin ich schon paralysiert vor Erschöpfung. Die Hotelsuche gestaltet sich noch einmal schwierig, wegen einer Großveranstaltung. Doch Ende gut, alles gut. Ein Dach über dem Kopf und wir lassen den Tag auf einem Straßenfest ausklingen. Augen hängen zwar schon auf Halbmast, aber die Annehmlichkeiten des Stadtlebens sollte man sich ja nach  dieser Birma-Erfahrung nicht entgehen lassen.

21.12 Bokpyin -  100 km vor Kautung, 115 km
Pechschwarz in der Ölpalmplantage, weil kein Mondlicht durchs dichte Blätterdach fallen kann. Unaufhörlich knacken trockene Palmzweige am Boden, Rascheln und Tierlaute nah und fern. An die 30 Grad im Zelt. Lüften ist nicht, weil ein riesiger Schwarm Moskitos nur auf diese Gelegenheit wartet. Packen im Dunkeln und sind um halb sieben wieder auf der Straße. Wollen die Morgenkühle zum Fahren nutzen. Am Straßenrand liegen die Früchte der Ölpalme. Ein beerenförmiger Fruchtstand, in dessen stacheligem Körper rote, runde Beeren sitzen. Ziegen naschen davon, bis der Transporter alle eingesammelt hat.
Wir können es kaum fassen, als wir plötzlich in the middle of nowhere an einem Golfplatz vorüberkommen. Das Palmölgeschäft scheint sich zu lohnen.
Erfrischen uns in einem Bächlein. 2 Minuten Glücksgefühle am Tag dürfen es schon sein. Ich kränkele und will nur noch raus aus diesem Land. Birma kriegt auch die größten Fahrradenthusiasten klein. Ich will keine von rotem betelnußspeichel benetzten Zahnstummel mehr sehen. Ich will nicht mehr begafft werden, während ich mich brutale Steigungen hochquäle. Mir gehen die Läden ohne Auswahl auf den Zeiger, die nicht mal fleißend Wasser haben, um sich des literweise fließenden Schweißes  zu entledigen. Darauf, dass ich erkältet bin, konnte heute aus verscheidenen Gründen keine Rücksicht genommen werden. Wir sind 7 Stunden gefahren, 1900 Höhenmeter und 115 km. Ich ertrage die Strapazen nicht mit Würde. Ich bin nur noch ein kleines, verschwitztes Häuflein Elend.
Zelten in der nächsten Plantage. Wieder 30 Grad im Zelt.

20.12 Chaung Nauk Pyan - Bokpyin 100 km, 1300 HM
Motivationsloch, Schwächegefühl, Hitze und dazu heute 64 Berge. Es macht überhaupt keinen Spaß mehr.
In der Mittagshitze dösen wir eine Stunde am Rande einer Palmölplantage. Dem Besitzer scheint das nicht zu gefallen und verfolgt uns mit seinem Roller, als wir aufbrechen. Überall spricht er Leute an, um auf uns aufmerksam zu machen. Er hetzt uns auch die Polizei auf den Hals. Die Observation fällt nicht gerade dezent aus und auch er spricht mit anderen Männern auf Rollern. Die Situation ist mir alles andere als geheuer. Eine Straßensperre führt uns auf einen Weg in die Plantage und der Polizist in Zivil deuten uns bei jeder Wegbiegung die Richtung an, in die wir fahren sollen. Ich frage mich, ob das eine echte Straßensperre ist... Als seine Weisung nicht dem Wegweiser entspricht und dort auch schon ein weiterer Mann wartet, der uns auch in diese Richtung lotsen will, gehe ich ernsthaft von einem Hinterhalt aus. Wir folgen den Wegweisern und werden nie herausfinden, was uns bei der anderen Option erwartet hätte. Bei der nächsten Pause gibt auch unser Begleiter endlich auf, der uns 30 Km nicht aus den Augen gelassen hat. Als wir sicher sind, dass uns niemand mehr folgt, suchen wir uns in der Palmplantage einen Zeltplatz.

19.12 Kirchengrundstück - Chaung Nauk Pyan 99 km
"Move, shoot, communicate" Aufschrift auf der Mauer einer Kaserne.
Hatte schon bessere Nächte, brechen früh auf. Nach 8 km ereichen wir die asphaltierte Straße. Boden küssen angesagt. Eine ebene, ordentliche Straße, zwischendrin sogar beschattet - welche Wohltat. Jammern tu ich trotzdem, denn ich weiß gerade nicht mehr, woher ich die Motivation fürs Radeln hernehmen soll. Eine lange Mittagspause tut da gut. Musik und Hörbuch retten uns über den Nachmittag. Die Etappe endet mit einem unglaublich steilen Berg, den wir unter den starrenden Blicken von zahlreichen Bauarbeitern angehen. Zelten in einem Bambushain. Mückenland. Zahlreiche Arbeiter maschieren am Pfad unweit von unserem Zelt vorbei, scheinen uns aber nicht zu bemerken.

18.12 Nähe von Tamok - 10 km vor Ende der "Dirt Road of Hell"
70 km, 1200 HM
4. Advent - Beschaulich Kekse knabbern, oder doch lieber einen Höllenritt auf dem Rad? Wir haben uns für zweiteres entschieden und erleben einen, wenn nicht den schlimmsten, Fahrtag der Tour. Nach 15 Kilometern reißt Domis Schaltzug. Wegen mangelnder Routine kostet die Reperatur uns eine Stunde der köstlichen Morgenkühle. Wenn man bei 24 Grad von Kühle sprechen kann. Der Süden Myanmars ist erst seit einem halben Jahr für Touristen geöffnet. Man fragt sich aber nach diesem Tag, ob es wirklich erstrebenswert ist, auf toursitisch unberührten Pfaden zu wandeln. Die Schulbildung endet hier oft nach 3 Jahren und somit kann kaum jemand Englisch. Nach dem Weg oder dessen Beschaffenheit zu fragen, ist aussichtslos. Wir treffen dann leider eine Fehlentscheidung bezüglich des Weges. Den Auftakt bildet eine fast nicht zu überwindende Baustelle voller riesiger Steine und Sand. Natürlich das Ganze bergauf. Dann geht die Straße in eine Piste über. Domis Schaltung funktioniert nur noch mangelhaft nach der heutigen Reperatur. Eine Katastrophe bei diesem Terrain seine kleinen Gänge nicht benutzen zu könne. Er schreit seinen Frust raus und das nicht nur einmal - Verständlich. Wir braten mittlerweile bei über 40 Grad auf der unbeschatteten Piste und es geht unerbittlich hoch und runter. Ich habe in meinem Leben noch nie so steile Wege gesehen. Dann schieb mal dein vollbepacktes Rad eine 22 % steile Rampe über Geröll nach oben. Und das ganze nicht einmal, sondern stundenlang und immer wieder. Statt einer angenehen Abfahrt geht es dann genauso steil wieder runter. Unfahrbar ohne Asphalt. Halb rennend geht es dann runter, während das Rad neben einem über Sand und Steine schlittert. Man stößt an seine Grenzen, will und kann nicht mehr. Da uns aber heute nur ein Auto begegnet und dieses in die falsche Richtung fuhr, blieb uns sogar diese Option verwehrt. Wir retten uns in der Mittagshitze in eine Kautschukplantage. Wenigstens kann ich mir am Brunnen dort die Haare waschen und mich erfrischen. Die Versorgungslage ist heute mäßig, wir fragen unzählige Male umsonst nach Essen. Am Nachmittag werden wir zu einer Cola eingeladen. Wir sind staubig und völlig fertig.
Eine Entschädigung für diesen schrecklichen Tag ist der Zeltplatz. Ein Plätzchen im Grünen neben einem gut zugänglichen Bach auf dem Gelände einer Kriche im Rohbau. Ein Wink des Himmels.

16.12 Maungmagan - 84 km nach Dawei 104 km
Feiernde Nachbarn und ein nächtlicher Sturm gönnen mir zwei erholsame Stunden Schlaf. Stehe schon genervt auf.
Es ist herrlich bewölkt und nach wie vor windig. Bis auf einen Berg am Ende der Etappe bleibt es angenehm flach. Das Leben abseits der Touristenrouten ist unglaublich günstig. Erstaunlicherweise hat sich mein Geschmack mittlerweile an die asiatische Küche angepasst. War ich zu Anfang zum Beispiel für die Suppen überhaupt nicht zu Begeistern, machen sie mich jetzt rundum glücklich. Ich weiß nicht, ob ich meine Ansprüche runtergeschraubt habe, oder einfach mit weniger zufrieden bin. Im Ergebnis passt mir der Speiseplan besser und mir fehlt nichts.
Ununterbrochen werden wir gegrüßt und angelächelt. Ich, als Außenminister unseres Teams, gebe mir alle Mühe kein winkendes Kind zu übersehen und alle anzustrahlen. Die Straße ist voller Kinder in ihren süßen grün-weißen Schuluniformen auf ihren klapprigen Rädern. Am Straßenrand werden Betelnüsse getrocknet. Die Nüsse werden aus ihrer fleischigen Hülle ausgelöst, dann halbiert. Zu guter Letzt wird der Nusskern entfernt, der dann zum Konsum weiterverarbeitet werden kann. Zelten in einer verwilderten Palmplantage. Bleiben unentdeckt.

15.12 Maungmagan & San Maria Bay 33 KM
Yoga am Strand bei Vollmond im Morgengrauen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf zur San Maria Bay. Der Strand ist bevölkert von unterschiedlich großen und farbigen Krebsen, ansonsten ist er menschenleer. Da es keine schattenspendenden Bäume gibt, baue ich, Lisa Gyver, uns kurzerhand aus Treibholz, alten Netzen und unserer Plane ein Sonnensegel. Bald bekommen wir Besuch von Fischersfrauen und ihren kleinen Töchtern. Domi freut sich, hat er doch jetzt Mitstreiter beim Sanddammbau. Es gibt Kekse für alle. Im Gegensatz zum anderen Strand ist er trotz der Nähe zum Fischerdorf sauber. Die Flut kommt und mit ihr eine tote Riesenqualle. Wir besuchen noch ein Kloster  auf einer kleinen vorgelagerten Insel und kehren dann an den gestrigen Strand zurück. Infrastruktur hat schon was für sich. Es ist bedeckt, die obligatorischen Müll- und Laubhaufenbrände verpesten ein wenig die Luft. Uns stört es nicht. Wir liegen zusammen auf der Strandmatte und haben wegen der dichten Wolken gar nicht mehr mit einem Sonnenuntergang gerechnet, als intensivrotes Licht durch die Wolken bricht. Ein Farbspektakel erster Güte. Wir hören zusammen a perfect day in diesem Moment.
Strandsehnsucht gestillt, wir können morgen weiterradeln.

14.12 Dawei - Maungmagan 18 km
"go with the flow" Mr.Beer
Großartiges Frühstücksbuffet auf der Dachterrasse. Gunst der Stunde genutzt und direkt 7 Kaffee getrunken. Ach, so könnte jeder Tag beginnen. Radeln nun zum Strand. Darauf habe ich 18.000 Kilometer gewartet, dass endlich das Salzwasser auf meiner Haut prickelt. Allein das Geräusch der Brandung erfüllt mich randvoll mit Glück. Ein langer weißsandiger Strand, ein paar Palmen und Kasuarinen. Göttlich. Die Franzosen haben uns eine sehr einfache (etwas schäbige) Bungalowanlage am Strand empfohlen, der uns trotz fehlender Lizenz aufnimmt. Das Wasser ist warm genug und bei Ebbe macht das Schwimmen im seichten Wasser besonders viel Spaß. Frauen gehen auf Krabbenjagd, Fischerboote landen weiter nördlich an. Wir sind fern ab vom Trubel und sehr glücklich. Unser netter Nachbar, "Mr. Beer" aus München, erzählt uns einige interessante Fakten über Myanmar. Dessen birmesischer Freund stellt uns einen "Magic Letter" aus, der uns in Zukunft befähigt, um Erlaubnis fürs Zelten zu Bitten. Er konnte überhaupt nicht fassen, dass wir überhaupt schon erfolgreich gezeltet haben, da offiziell die direkte Ausweisung und zukünftige Verweigerung einer weiteren Einreise droht. Oha.
Auf einen cocktailkirschenroten Sonnenuntergang folgt ein imposanter Mondaufgang. Außergewöhnlich schön.

13.12 115 km vor Dawei -  nach Dawei
Wir haben am Vorabend unser Zelt in einer Kautschukplantage aufgeschlagen. Leider fielen wir schnell auf und bei Anbruch der Dunkelheit standen 10 Männer vor unserem Zelt, um zu prüfen, ob wir eine Gefahr für das Dorf darstellen. Mit Touristen hat niemand gerechnet und wir bekommen sogar das Angebot im Dorf zu nächtigen. Wir lehnen dankend ab und wollen eigentlich nur noch unsere Ruhe haben. Mitten in  der Nacht torkelt ein Mann um unser Zelt und leuchtet penetrant ins Zelt. Er, im Bunde mit den Dorfhähnen, beenden die Nachtruhe somt um 3 Uhr nachts. Morgens kommen noch mehr Schaulustige, um die "English" zu sehen, wie sie hier die Ausländer bezeichnen. Wir können uns nicht mehr riechen und wollen es daher schnell nach Dawei unter die Dusche schaffen. Ein hartes Stück Arbeit bei nach wie vor ordentlich vielen Höhenmetern und der Hitze liegt heute vor uns. Sind bei Kilometer 80 völlig überhitzt und haben eine riesen Kohldampf, finden aber kein Restaurant. Eine Familie lädt uns zum Essen ein. Ich denke den Deutschen fehlt nicht nur die Leichtigkeit sich mit den Lebensumständen zu arrangieren, sondern auch die Gastfreundschaft gegenüber Fremden. Wir wissen diese Einladung sehr zu schätzen.
In Dawei gibt es wenig Hotel für viel Geld, aber wir lernen zwei Radfahrer vom Mont Blanc kennen und gehen mit ihnen Essen. Das Schicksal meint es heute gut mit uns, wieder werden wir eingeladen. Die Welt ist voller netter Menschen.
Alles in allem ein guter Tag.

12.12 Wekane - 115 km vor Dawei, 108 km
Eine Ameisensipppe hat sich über Nacht im Zelt und insbesondere in Domis Sporthose häuslich niedergelassen. Kurzerhand führen wir einen Vernichtungsfeldzug mittels Insektenspray durch. Im Todeskampf beißen die Riesenameisen tatsächlich Löcher von mehreren Milimetern Durchmessser in die Hose und lasse sich auch nach ihrem Dahinscheiden kaum entfernen.
Die Ansteige werden immer länger  und wir schwitzen heute unsäglich. Als wir einen Pass überwunden haben, bin ich rot wie eine Tomate. Die  Straße, die Hauptverkehrsader zwischen Nord und Süd, ist nicht einmal breit genug, dass zwei Autos nebeneinander fahren können. Aus diesem Grund wird mit rückständischsten Methoden die Fahrbahn verbreitert. Bei 40 Grad hocken Männer und Frauen neben der Fahrbahn und sortieren die Steine händisch wie ein Puzzle an ihren Platz. Über offenem Feuer wird Teer in Tonnen erhitzt und dann aus Kannen über die Steine verteilt. Die Arbeitsbedingungen in den Steinbrüchen, die die Steine für den Straßenbau liefern, sind ähnlich grotesk. Ungesichert stehen Männer mit Presslufthämmern in den Felswänden und bringen Teile davon zum Absturz. Sind die Steine noch zu groß wird im wahrsten Sinne des Wortes Hand angelegt bevor jeder einzelne Stein auf einen LKW geworfen wird.
Ich schäme mich, dass ich mich beschwert habe, einen Bürojob zu haben. Diese Arbeiter, die wirklich ganz unten auf der Leiter stehen, haben uns so oft nett gegrüßt und uns ein strahlenden Lächeln geschenkt. Jeder bei uns wäre verbittert.

11.12 Mawlamyaing - Wekane 101 km
Nach 1000 Kilometern in öffentlichen Verkehrsmitteln tut es unglaublich gut, wieder den Sattel unter dem Hintern zu haben und den Fahrtwind im Gesicht zu spüren. Die ersten 30 Kilometer folgt eine Ansiedlung der nächsten und der Verkehr ist stressig. Die Straße 8 schlängelt sich über sanfte Wellen gen Süden, vorbei an unendlichen Kautschukplantagen. In jedem Dorf werden über Holzgerüsten Kautschukmatten in der Sonne getrocknet. Der verrottende Gummi  stinkt erbärmlich.
Wir passieren den größten liegenden Buddha der Welt, der ihn im Moment seines Todes darstellt. Die armen Birmesen geben echt ihr letztes Hemd für ihren Glauben.
Die Hitze macht uns zu schaffen und einen Zeltplatz zu finden ist auch schwerer als gedacht. Wir zelten zwischen einigen Bananenstauden nur 100 Meter von einem Haus entfernt. Bleiben erstaunlicherweise unentdeckt.

9.12 Bagan - Bago Junction (Nachtbus 700 km) - 10.12 Bago Junction - Bago - Mawlamyaing (270 km, 50 davon per Rad)
Genießen ein super Frühstück im grünen Innenhof. Wir verbringen den Nachmittag in einem Restaurant mit Blick auf den Fluß. Eine goldene Pagode schimmert in der Sonne, Krähenschwärme sind am Himmel zu sehen. Nach einem Abendessen bei unserem Lieblingsinder, der natürlich von Birmesen betrieben wird, radeln wir im dunkeln zum Busbahnhof. Die nächsten 700 Kilometer nach Süden verbringen wir im Sleeper Bus. Dank guter Schlaftabletten schlafen wir zumindest einige Stunden.
Um vier Uhr nachts stellen wir fest, dass der Fahrer uns nicht an der vereinbarten Stelle rausgeworfen hat. Etwas verärgert stehen wir nun um 4:30 an der falschen Kreuzung. Es ist stockdunkel, Ratten huschen am Straßenrand herum, es stinkt nach Urin. Immerhin sind die Räder heil. Wir ziehen blank, schlüpfen in unsere Radklamotten und fahren los. Es ist sogar um diese Zeit schwülwarm. Unglaublich was in Myanmar um 5 Uhr morgens schon auf den Straßen los ist. Wir radeln nach Bago, da wir festgestellt haben, dass dort ein Zug um 9 nach Mawlamyaing fährt. Die krankheitsbedingte Verspätung holen wir so wieder rein und liegen wieder im Zeitplan. Wir ergattern einer der letzten Sitzplätze in der bequemen upper class. Unser türkisnes Abteil hat wieder offene Scheiben, was mich immer mit einem Gefühl von Freiheit erfüllt. Die ganze Zeit laufen Händler durch die Abteile, um die Fahrgäste mit Essen und Trinken zu versorgen. Unglaublich was die Frauen auf ihren Köpfen balancieren können. Eine der Frauen trägt 10 Kilo Wasser auf ihrem Kopf. Die Gewinnspanne pro verkaufter Flasche beträgt 8 Cent. Bestürzend.
Wir erreichen Maylamyaing mit 1,5 stündiger Verspätung. 8,5 Stunden für 220 Kilometer. Eine Geduldsprobe. Da wir bei Sonnenuntergang ankommen, müssen wir notgedrungen in einem Hotel übernachten.

7. & 8.12 Bagan
"Where are you from? Germany. Guten Tag, möchten sie kaufen?"
Domi hatte eine weitere schlimme Nacht, ist aber langsam auf dem Weg der Besserung. Er ist entkräftet, aber immerhin mit Appetit. Wir organisieren uns die Rückfahrt, die wir diesmal im Nachtbus bestreiten wollen.
Das Bagan-Areal ist weitläufig und die Orientierung fällt uns zunächst schwer. Überall ragen rote Ziegeldächer der alten Königsstadt aus der Landschaft heraus. Wir radeln über sandige Pfade zwischen ihnen hin und her und bestaunen die Reliefs der Fassaden, Wandmalereien, goldene Buddhastatuen in den Tempeln oder goldene Stupas. Von den Aussichtsplatformen einiger Tempel kann man bis zum Irrawady-Fluß sehen.
Wir lassen den Tag auf einem Hügel ausklingen und beobachten den Sonnenuntergang, bevor wir im schwindenen Licht unser Zelt auf einer nahen Wiese aufschlagen. Leider müssen wir dann noch einmal wegen dornigem Untergrund umziehen, als alles fertig ist. Ich empfand das in dem Moment als absolute Zumutung.
Im Morgengrauen hören wir die Heissluftballons über unserem Zelt steigen, was uns motiviert, raus zu gehen und den Sonnenaufgang mitzuerleben. Hübsch.  Viel Schlaf im angenehm kühlen Zelt hat gut getan. Radeln zu unserem Guesthouse in Neu-Bagan. Wir sehen heute einige der Bagan Highlights, genießen leckeres Essen und entspannen im begrünten Hof unseres Guesthouses. Bagan ist voller fliegender Händler, die einem aufdringlich ihre Waren aufdrängen wollen. Überall tönt es "where are you from", um dann Verkaufsgespräche auf der Landessprache fortzusetzten. Domi ist wieder zu Späßen aufgelegt, die guten russischen Antibiotika haben ihre Arbeit gemacht.

6.12 Yangon - Bagan (Nachtzug)
Ich nötige Domi, Antibiotika zu nehmen, da sein Zustand sich verschlechtert hat. Wir sind froh, Yangon mit seinen immerwährenden Verkehrsstaus zu verlassen. Es ist uns hier zu dreckig, zu laut und zu viele Menschen auf einem Haufen. Wir checken spät aus, die Wartetzeit am Bahnhof scheint sich aber trotzdem unendlich zu ziehen.  Nassgeschwitzt besteigen wir das "upper class" Abteil. Öffentliche Verkehrsmittel mit Fahrrädern samt kompletten Gepäck zu benutzten, ist eine elende Plackerei. Wir teilen uns das Abteil mit einem indonesisch-australischen Pärchen. Das Schienennetz ist eine Katastrophe. Die Fahrt gleicht einer Fahrt mit der "wilden Maus" auf dem Hamburger Dom. Eine holprige Achterbahnfahrt. An Schlaf war für mich, trotz Valium, nicht zu denken. Nach 18 Stunden kommen wir in Bagan an.

5.12 Yangon - Wahrzeichen Birmas, die Shwegadon Pagode
Domi fühlt sich etwas besser und kommt daher mit auf die heutige Erkundungstour. Der Kandawgyi See ist von einem schönen Park umgeben und der See selbst von Inseln durchsetzt. Westlich des Parks befindet sich die Shwedagon Pagode. Domi wird wegen seinen aufreizenden Shorts in einen Longyi gesteckt, der traditionelle Rock der Birmesen, der von beiden Geschlechtern getragen wird. 60 Tonnen Gold wurde hier verarbeitet und unzählige Buddhastatuen stehen für die Verehrung bereit. Die Gläubigen übergießen den Buddha ihres Geburtswochentages mit Wasser während des Gebetes. Andere kleben Blattgold auf  Statuen oder entzünden Kerzen und Räucherwerk. Einem Achtmeterbuddha kann man sogar Luft zufächern, um ihn für sich zu gewinnen. Es wurden riesige Glocken gespendet für eine bessere Wiedergeburt. Überall Mönche und Nonnen mit ihren Smartphones, die wie alle anderen, staunend alles ablichten.
Morgen um 16 Uhr nehmen wir den Nachtzug Richtung Bagan. Der wichtigsten Tempelstadt des Landes, die im Norden liegt.

4.12 Yangon

Die  heimliche Hauptstadt Birmas ist reich an alten, oft sehr zerfallenen Kolonialbauten und goldenen Pagoden.

2. & 3.12 Mawlamyaing nach Yangon (Busfahrt inkl. Räder)
Joggen am frühen Morgen an der Uferpromenade entlang und begegnen jungen Bettelmönchen, die barfuß und mit großen runden Gefäßen in ihren Händen ihre tägliche Essensration einsammeln. In Birma sehen wir auch das erste Mal buddhistische Nonnen. Kahlköpfig und in rosa gewandet, über der sie eine orangene Schärpe trage.
Wir sind total übermüdet, weil wir vor dem englischen Fernsehprogramm versackt sind. Müssen um 12 auschecken und quälen uns den ganzen Tag träge durch den heißen Tag.
Domi weist gegen Abend erst Krankheitssymptome auf, was darauf hinausläuft, dass wir unsere nächtliche Busfahrt canceln und in ein günstiges Hotel ziehen.

Die Busfahrt am nächsten Tag wird für Domi ein Höllenritt. Auf Immodium und Valium vegetiert er im Bus dahin und versucht nicht zu spucken. Ich sehe derweil, die zwei schlechtesten (birmesischen) Filme meines Lebens. Slapstick des Grauens. Mit Verspätung kommen wir erst um 16:00 in der Hauptstadt an. Leider liegen uns noch 20 Km durch den städtischen Feierabendverkehr bevor. Bei jeder Ampel sinkt Domi förmlich auf seine Lenkertasche. Fahren kann er nur im Schritttempo. Ich bin besorgt. Der Tag ist gelaufen, als wir endlich im Hotel ankommen. Domi hat 36 Stunden nichts zu sich nehmen können und ist völlig entkräftet und fiebert leicht.Haben aber alles im Griff.

1.9 Mawlamyaing Ruhetag
Nach einer klitzekleinen Joggingeinheit und ausführlichem Zeitungslesen ziehen wir in das sündhaftteure Hotel in der Beachroad. Eine Übernachtung Luxus steht an. Ein gemütlicher Tag. Den Sonnenuntergang betrachten wir von der Hauptpagode auf dem Hügel. Das schwindende Licht, das Gemurmel buddhistischer Gebete, Nebel liegt in der Luft. Barfüßige Kinder in Mönchsroben begegnen uns beim Spaziergang im Zwielicht. Eine besondere Atmosphäre geht von den verfallenen Klosteranlagen und den alten, stämmigen Bäume aus.
Danach kosten wir auf dem Nachtmarkt an der Promenade vom reichlichen Angebot der Früchte des Meeres. Der Tag klingt aus im ersten Vollbad seit wir Deutschland verlassen haben. Badewannenwonne.

30.11 Zar Ta Pyin - Mawlamyaing, 34 km
In der Morgendämmerung bahnt sich ein fluchender Farmer seinen Weg durchs Unterholz neben unserem Zelt. Stehen wohl im Weg und möglicherweise auf seinem Grund und Boden und haben diese unsanften Weckruf verdient. Sind somit früh auf der holprigen Piste, die Gott sei dank nach 8 Kilometern wieder in einer Asphaltstraße mündet.
Auf den Reisfeldern stehen bucklige Zebu-Rinder und wir sichten vereinzelt Pferdekutschen. Die hatten wir seit Rumänien nicht mehr gesehen.
Wir erreichen Mawlamyaing, die viertgrößte Stadt Birmas, die jedoch sehr provinziell wirkt. Wir ergattern eine günstige Unterkunft und suchen uns ein beschattetes Plätzchen mit Blick auf den Golf von Bengalen. Die "Menschenfresserinsel" ist vorgeleagert, aber trotzdem ist es schön, auf das glitzernde Wasser zu schauen und Myanmar Bier zu trinken.
Unser erster Eindruck von Birma ist gut. Auch wenn man für Unterkunft und Essen mehr bezahlen muss, lohnt sich doch der Einblick in diese neue Kultur. Birma ist ein Schmelztiegel zahlreicher Ethnien. Muslime, hinduistische Bangladeschi, buddhistische Birmesen leben (leider nicht all zu friedlich) zusammen. Birmesen erkennt man an der Pflanzenpaste, die sie sich ins Gesicht schmieren. Dieser Sonnenschutz und Schönheitsgeheimnis sieht aus wie ein unglückliche aufgetragene Heilerdemaske.

29.11 Mae Sot - Zar Ta Pyin 101 km
Ein platter Reifen zum Grenzübertritt nach dem Motto kein Land ohne Platten. Die Grenzbeamten helfen fleißig, sogar recht dominant, beim Flicken mit. Schaulustige Polizisten werden zum Aufpumpen eingespannt. Dann kann es losgehen. Die Straßen sind trubelig und erinnern mich an Indien. Viele Männer mögens luftig "unnerum" und tragen wie in Indien einen Rock. Also ein schlauchförmig zusammengenähtes Stück Stoff, dass sie an der Hüfte mit einem Knoten fixieren. Meiner Meinung nach ist dieses Kleidungsstück nicht adäquat mit einem Oberteil zu kombinieren.
Es folgt ein knackiger Aufstieg mit 14 Prozent. Es ist so heiß, dass man jederzeit droht, mit den schwitzigen Händen vom Lenker abzugleiten. Nach 40 Kilometern sind wir jedoch über die Hügel hinweg und eine riesige Ebene nimmt uns in Empfang. Reisfelder, viele neue Palmenarten und wieder sehr sympathische Dörfer. Die Siedlungen sind oft beschattet von riesigen Regenbäumen, die auf ihren mächtigen Stämmen Platz für andere Arten bieten, die es sich darauf bequem machen. Viele Biergärten locken. Versorgungslage ist auf jeden Fall besser als gedacht.
Wollten uns nachdem wir uns in den letzten zwei Wochen bereits den Notfallwortschatz Laotisch und Thailändisch beigebracht haben eigentlich auf das Birmesische verzichten. Aber man fühlt sich Fehl am Platz, wenn man nicht mal in der Landessprache grüßen kann, also ergeben wir uns in unser Schicksal. Mengalaba.
Alle paar Kilometer werden unsere Daten bei einem Checkpoint notiert. Jeder Mann/Polizist hat von Betelnuss rotverfärbte Zähne und wirkt abstoßend zombiesque.
Biegen auf eine Staubpiste ab, wo wir auch zelten.

Thailand 1, 21.11. - 28.11.2016: Paklay - Mae Sot 469 KM


"vielleicht auch Teneriffa eine Woche Sandstrand!"


Thailand ist wohl das bisher beste Reiseland für uns. Unterkünfte und Essen sind sogar noch günstiger als in Laos. Das Internet ist schnell und unzensiert. Die Straßen sind vorbildlich und die Thais sprechen meist sogar ein paar Worte Englisch. Seit gefühlten Ewigkeiten fahren wir mal wieder durch eine Ebene. Unglaublich, wie schnell man vorankommen kann, wenn es nicht ständig hoch und runter geht.
Das einzige was nervt, ist die omnipräsente Verehrung des vor gut 2 Monaten verstorbenen Königs. Die Vergöttlichung von Menschen ist keine gute Idee. Im TV tragen noch immer alle Moderatoren schwarz und alle fünf Minuten wird eine kleine Sentenz aus den vergangenen Tagen des Königs eingespielt.Die auf ein Jahr angeordnete Staatstrauer hat allerdings auch sein gutes, so können wir die historischen Stätten in Zentralthailand für umme angucken.


Bei uns ist's jetzt erst mal aus mit der Behaglichkeit Thailands. Wir fahren jetzt nach Myanmar ins Ungewisse. Das Land öffnet sich zwar mehr und mehr ausländischen Touristen, doch ist nicht klar, ob wir dort unsere geplante Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen können oder wir  auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein werden.

 
Nachem wir uns lange alle Optionen für die Weiterreise offen gehalten haben, haben wir nun den Rückflug gebucht und mit Zwischenflügen die weitere Reiseplanung festgezurrt. Nach Myanmar und Südthailand werden wir nach Malaysia und von dort aus nach Sumatra übersetzen. Über die Java werden wir nach Bali und Lombok um nach Australien zu fliegen. . Wir radeln dann von Melbourne nach Sydney genehmigen uns ein Lager und touren dann noch 3 Wochen auf den Spuren Gollums auf der Nordinsel Neuseelands herum. Ende März sind wir dann wieder in Hamburg und freuen uns auf ein Wiedersehen :)


LG Domi

28.11 Doi Muser Pass - Mae Sot 42 km
Die Strecke bleibt hügelig. Da Unterkünfte in Birma (verhältnismäßig) unerschwinglich sind und wir heute wieder in die schwitzigen Kleider vom Vortag schlüpfen mussten, tendieren wir dazu im Grenzort nochmal in ein Hotel zu gehen. Finden auch ein erschwingliches im Zentrum. Weiterhin muss sehr viel organisiert werden, was uns unentspannte Stunden bereitet. Freuen uns trotzdem morgen auf den Grenzübertritt. Neues Land, neues Glück.

Haben heute sehr lecker gegessen mit einer Bandbreite von Lasagne bis red snapper. Yummy

27.11 Alt-Sukhothai  - Doi Muser Pass 113 km
Es ist heute bewölkt und wir fahren sogar durch einen Regenschauer. Eine angenehme Abwechslung. Wir haben Glück in Tak einen offenen Radladen zu finden, da einige Teile ersetzt werden müssen. Fahren nun über einen steilen Pass in Richtung birmesische Grenze. Selten so geschwitzt. Stärken uns bei einem Markt auf dem Gipfel und müssen uns sehr sputen, um noch vor der Dunkelheit einen Zeltplatz aufzutreiben. Dies gelingt aber glücklicherweise. Wir zelten am Waldrand eines Naturschutzgebietes. Endlich eine angenehm kühle Nacht.

26.11 Sukhothai nach Alt-Sukhothai , ganze 12 km
Am frühen Morgen brechen wir auf und radeln in Richtung der historischen Stätte. Wir finden ein günstiges und schönes Zimmer unweit des Einganges, in das man schon ab 7 Uhr morgens einchecken kann. Genial. Wegen des Todes ihres Königs Bhumibol Adulyadej ist der Eintritt für einige Monate umsonst. Die Anlage ist durchzogen von großen Wasserbassins, die mit wunderschönen pinken Seerosen bestückt sind. Monet hätte hier seine wahre Freude gehabt. Sehr schön finde ich die gut erhaltenen, riesigen Buddhastatuen und die Reliefs im Ceylon-Stil. Diesmal haben wir die Anlage nicht für uns allein. Sprachfetzen europäischer Sprachen, erwachsene Menschen, die sich freiwillig einen albernen Fischerhut aufsetzten, haarige, weiße Männer in ultra kurzen Shorts. Auf solche Touristen könnten wir getrost verzichten. Die enorme Hitze zwingt uns alsbald in klimatisierte Gefilde zu flüchten. Ich kränkel weiter und meine Kräfte sind daher limitiert. Wir stellen fest, dass wir uns etwas früher um die Myanmarplanung hätten kümmern sollen. Das könnte noch kompliziert werden und in drei Tagen überqueren wir bereits die Grenze. Die Tempelanlage ist Samstag abend beleuchtet. Ein besonderer Anblick.

25.11 Si Satchanalai - Sukhothai 54 km
Eine lockere Radeleinheit in den nächsten Ort. Sukhothai ist die ehemalige Hauptstadt mit einem historichen Erbe, dass auch zum Weltkulturerbe zählt. Essen eine großartige und unschlagbar günstige Tom Yum Suppe zum Frühstück. Irgendwann hat man den Schmerz überwunden, dass es hier keine Brezeln gibt und findet Nudeluppe am Morgen auch ganz lecker. Wir  ziehen in einen hübschen Bungalow, beschattet von struppigen Palmen. Es gibt sogar zwei Hängematten. Seit gestern stöbern wir uns durch Angebote für unseren Rückflug, was ja auch maßgeblich unsere Route beeinflussen wird und buchen heute einige Flüge. Man glaubt es kaum, unsere Reise endet im März in Neuseeland! Planen ist sehr anstrengend, da ich heute auch total verschnupft bin. Abends essen wir großartig und günstig an einem Straßenstand und Domi ist überglücklich, als wir auch noch eine hübsch gestaltete Bierbar neben dem Nachtmarkt entdecken. Es ist unglaublich heiß auch noch nach Einbruch der Dunkelheit.

24.11 Si Satchanalai Ruhetag
Wir brechen heute früh nach einer herrlich ungestörten Nacht in Richtung Tempelanlagen auf. Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm und wir fahren freudig am unbesetzten Kassenhäuschen vorbei in das 40 qkm große Areal. Noch ist es nicht zu heiß und wir haben die Ruinen aus schwarzem lime stone ganz für uns allein. Der alte Baumbestand umrahmt die Bauten und das Licht bricht sich im Blätterdach. Zwei der Gebäude stehen auf einer Anhöhe, die Brutplatz tausender Klaffschnabelstörche und weißer Reier ist, die hier überwintern. Ohrenbetäubender Lärm herrscht im Brutrevier. Faszinierend, die Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können. Wie durch ein Wunder schaffen wir es, ohne beschmutzt zu werden wieder zu unseren Fahrrädern. Wir essen heute nur in Restaurants, die auch von Einheimischen frequentiert werden, mit dem Resultat, dass wir heute weniger als 6 Euro für alle Mahlzeiten ausgeben. Sauber. Abends verfärbt sich der Himmel liebreizend rosa , als wie eine Spazierfahrt unternehmen. Wir befragen tätowierte Mönche, ob man sich hier ein Sak Yant stechen lassen kann. Einer von ihnen, den ganzen Rücken voll von diesen magischen Tatoos, hatte sich die Hello Kitty Katze in die Brust stechen lassen. Lustig.

23.11 Ban Chumg Thang - Si Satchanalai 40 km
Die Landwirtschaft hier ist fortschrittlicher als in Laos und kommt daher ohne Wasserbüffel aus. Traktoren bestellen riesige Parzellen von Zitrusbäumen und Zuckerrohr. Wir fahren auf verschlungenen Wegen zwischen den Feldern der Ebene hindurch. Auch auf diesen kleinen Straßen ist der Asphalt zumeist gut. Unser Ziel ist der historical park von Satchanalai, daher mieten wir uns am Fuß eines Hügels in dessen Nähe in einer Bungalowanlage ein. Für eine Unterkunft in Thailand zahlt man doppelt so viel wie in Laos, der Standard ist aber gut und wir zufrieden. Angenehm empfinden wir, dass wir die einzigen Gäste sind und uns im Garten ungeniert ausbreiten können. Wir besichtigen die ersten Ruinen und gehen im Anschluss in ein nettes Restaurant mit Seeblick essen. Kokoscurry und fritierter Frosch. Zweiteres kann ich nun abhaken und muss ich nie wieder essen.

22.11 Ban Song Hang - Pan Chumg Thang 111 km
Es erwartet uns ein sehr schöner Fahrtag. Es ist so entspannt, durch eine Ebene zu fahren und wir haben das erste Mal seit langem wieder Rückenwind. Wir haben heute auch Glück mit der Verpflegung, sogar einen Kaffee auf Eis gibt es zur Abkühlung. Die Thai sind nett, sie können ab und an auch ein wenig Englisch und uns werden immer wieder Daumen nach oben angezeigt. Die Straßen sind super und nach wie vor sehr wenig Verkehr. Die Dörfer mit den dunkelbraunen Tropenholzbauten gefallen mir gut, Wetter ist eh sommerlich. Was will man mehr. Schmieden Pläne über den weiteren Reiseverlauf, womit ich sehr zufrieden bin. Zelten auf einem überwucherten Wirtschaftsweg zwischen einer Zuckerrohrplantage und einigen Teakbäumen. 30 Grad im Zelt am Abend. Wegen unzähliger Moskitos verhängen wir eine nächtliche Ausgangssperre. Domi ist heute kränklich, hoffentlich handelt sich nur um eine seiner Ein-Tages-Erkältungen.

21.11 Paklay - Ban Song Hang 58 km
Schlecht geschlafen. Das dumme Federvieh hatte wieder seinen Teil dazu beigetragen. Die Straße zur thailändischen Grenze ist sehr wellig. Viele 13 %ige Steigungen und das bei 40 Grad in der Sonne. Beim Grenzübertritt müssen die Grenzer erst Mal Rücksprache mit der anderen Seite halten, ob sie uns rüberlassen dürfen. Wir sind die ersten Westler bei diesem Grenzübergang. Es passiert das erste Mal, dass einer der Beamte ein Geldgeschenk einfordert. Wir bleiben aber eisern und er geht leer aus. Ein Berg im Niemandsland und ein paar weitere Formalitäten folgen und schon sind wir in Thailand. Der Linksverkehr ist sehr gewöhnungsbedürftig. Straßen top. Die Dörfer wirken wohlhabender, aber auch lebloser als in Laos. Überall sehen wir Bilder des verstorbenen Königs mit Trauerflor. Es kostet uns viele erfolglose Versuche an den Geldautomaten bis wir endlich im Besitz eines Bündels der Landeswährung sind. Die Berge laufen langsam in eine Ebene aus. Zelten an einem Feldweg neben einigen Feldern. Eine Schlange sucht das Weite, als wir kommen. Unruhige Nacht.

20.11 Ban Phon Sok - Paklay
Affenhitze und dazu steile Steigungen. Zum Mittagessen sind wir bereits in Paklay. Bei einer Fischsuppe mit Blick auf den Mekong beschließen wir, eine Nacht zu bleiben. Finden ein nettes Guesthouse mit Blick aufs Wasser und Kokospalmen für 8 Euro. Wir verbringen einen verträumten Nachmittag in einer der Terrassenrestaurants. Schlürfen Kokosnusswasser und spielen Schach. Ein phänomenaler Sonnenuntergang zeigt uns, dass die Idee zu bleiben, goldrichtig war.

19.11 Xayaboury - Ban Phon Sok 111 km
"Farang, Farang, Farang.."
Fühlen uns müde, aber beschwingt von den positiven Erlebnissen des Vorabends, die noch nachschwingen.
Nach der Reperatur eines platten Reifens, brechen wir auf. Es wird ein angenehmer, jedoch ziemlich heißer Fahrtag. Es kommen bei über 30 Grad einige Höhenmeter zusammen. Dafür fahren wir durch reizvolle Hügellandschaften und weite Ebenen, in denen die Reisernte in vollem Gange ist. Hier und da stehen Wasserbüffel untätig in der Sonne. Essen heute ganz ausgezeichnet in den netten Dörfchen, die wir durchqueren. Statt einem "Sabaidii" vernehmen wir nun "Farang" Rufe, was soviel wie "Fremder" bedeutet. Wir haben nach dem Ruhetag trotz wenig Schlaf gute Beine und genießen diesen Tag, der sich wie ein Spätsommertag anfühlt. Leider fallen die Temperaturen in der Nacht nur wenig und unser Zelt ist abends eine stickige Höhle. Der Zeltplatz stellt sich leider nicht als sehr abgeschieden heraus und Gruppen von Feldarbeitern passieren unser Zelt am Abend. Nachts um 1 hält ein Roller unweit von unserem Zelt, was uns den Schlaf raubt. Wir befürchten schon einen anstehenden Überfall. Als wir etwas weiter weg eine Motorsäge vernehmen und folgern, dass es nur illegaler Holzschlag ist. Die nächsten Taschenlampen vor dem Zelt wecken uns um 5. Eine Scheißnacht.


18.11 Hochzeit in Xayaboury
Fühl mich wieder nicht ganz auf der Höhe. Nach einer Suppe zum Frühstück springen wir zur Abkühlung in den Fluß. Vertrödeln den Tag, bis es um 19 Uhr Zeit ist, auf die Hochzeit zu gehen. Gut, dass es schon dunkel ist, so sieht man Flecken und Löcher in der Garderobe nicht und kann vielleicht auch einfacher über das falsche Schuhwerk hinwegsehen. Wir werfen unser Geldgeschenk in eine dafür bereitstehende Vase, um dann mit dem Brautpaar für ein Foto zu posieren. 150 Tische für um die 700 Gäste stehen bereit und wir irren darin umher, wie bestellt und nicht abgeholt. Ein Verwandter nimmt sich uns an und  wir nehmen Platz. Es gibt kein Buffet, sondern jeder Tisch hat Speisen entsprechend der Sitzplätze. Wir können demnach für 6 Personen essen, weil im Laufe des Abend nur Laoten vorbeikommen, um mit uns anzustoßen. Das Bier steht ebenfalls ungekühlt auf dem Tisch und wird mit Eiswürfeln getrunken. Diejenigen, die es als erstes geschafft haben sich trotz des mit Eiswasser getreckten Bieres zu betrinken, waren unsere ersten Besucher. Keiner von ihnen war unangenehm, allerhöchstens niedlich. Auch der Bräutigam, sein Bruder, deren Mutter, Tanten und Onkel machen ihre Aufwartung. Sogar der Bürgermeister trinkt einen Schluck mit uns. Die traditionellen Tänze beginnen, die vom Alleinunterhalter und wechselnden Sängern begleitet wird. Leichte Schrittfolgen kombiniert mit einer anmutig wirkenden Drehung der Hände. Der erste Eindruck dieser Tänze war nicht gerade leidenschaftlich und nicht allzu schwer. Gut für uns, denn bald wurden wir zum Tanz aufgefordert. Normalerweise würde ich mich in so einer Situation schämen, aber nicht mit diesen netten Menschen hier. Die meisten interagieren offen und freundlich mit uns und freuen sich sichtlich, über unseren exotischen Auftritt. Statt Missgunst sehen wir hier nur kindliche Freude, also haben wir sogar richtig Spaß auf der Tanzfläche. Mit steigendem Alkoholpegel werden die Tänze wilder und Alt und Jung vermischen sich mit einer unkomplizierten Natürlichkeit. Besonders angetan hat es mir die kleine Schwiegermutter, die einen Eiskübel mit Bier aufgefüllt hat und wie ein Handtäschen am Arm trägt und über die Tanzfläche wirbelt.
Ich kann mich nicht sattsehen an den traditionellen Roben der Frauen. Bunt bestickte Seidenstoffe schillern in allen Farben. Zum engen Rock wird ein Jäckchen mit ausgestelltem Schoß und Puffärmeln getragen. Einige tragen ein passendes Tuch wie eine Scherpe. Wunderschön. Wir verlassen die Feier erst zum Schlußakkord und sinken zufrieden ins Bett.

17.11 Muang Nan - Xayaboury 38 km
Schlafen bis zum ersten Hahnenschrei und fahren dann in Richtung Mekong, wo uns eine zauberhafte Mischung aus Nebel und Morgensonne erwartet. Planen in Xayaboury nur einzukehren, um dann in einen Heilpflanzengarten weiterzufahren. Es stellt sich jedoch heraus, dass dieser geschlossen ist und wir entscheiden daher, in der verschlafenen Provinzhauptstadt zu bleiben. Fühle mich schlapp. Haben vor, auf dem Markt was Exotisches zu essen wie Kröte oder Feldratte. Erstehen eine mit zitronengrasverfeinerte Wurst, Fleischherkunft ungeklärt. Nach einer Massage, wo wir mit ganzen Körpereinsatz, Knien und Ellenbogen bearbeitet werden und einer Runde Billiard begeben wir uns zum Nachtmarkt am Fluß. Auf der Suche nach einem Absacker zögern wir zu lange vor einer Bar, in der eine geschlossene Gesellschaft zu feiern scheint. Der Bräutigam lädt uns zum Hochzeits Warm-up ein und auch promt zur eigentlichen Feier am Folgetag. Fremde zur Feier einzuladen, soll den Laoten Glück bringen, also schlagen wir nicht ab und bleiben eben einen Tag länger.

16.11 Luang Prabang - Muang Nan 78 km
Französische Croissants zum Frühstück - Kolonialisation hat auch seine guten Auswirkungen. Besteigen vor unserer Abreise noch den Hausberg. Über 30 Grad heute und giftige Anstiege. Fühle mich überhitzt und habe das Gefühl, Kondition eingebüßt zu haben. Zelten am Waldrand im Schatten der Teakbäume. Wir duschen uns ab, sind aber im Zelt gleich wieder durchgeschwitzt. Nachttieftemperatur 25 Grad.

27.10 - 17.11.2016: Minority Report 2, Kunming - Xayaboury, 1.176 km 13.598 HM


"Hui, Dai und Hmong rauchen gerne Bong"


Geil, nach China kommt mit Laos gleich das nächste kommunistische Land. Nur gibt's hier keine Städte mehr und es sind zumindest alle gleich arm. Die Leute hier sind jedoch super drauf. Jedes Dorf hat mehrere Biergärten und die Lieblingsfreizeitbeschäftigung ist es, beim Bier trinken total laut Musik zu hören oder beim Karaoke möglichst schief zu singen. Beer Lao ist völlig zurecht der Stolz der Nation und der größte Arbeitgeber des Landes.


Die bierselige Stimmung der Laotis färbt auch auf die Hunde ab, die hier äußerst friedfertig sind. Vielleicht ist es aber auch nur die Angst vorm Kochtopf? Die Rolle des nervig-lärmenden Plagegeist hat in der laotischen Gesellschaft der Hahn eingenommen. Naja, wer täglich drei Mal Eier ißt, darf sich darüber nicht beschweren.
Laos hat übrigens mehr Wasserfälle als Polizisten und mehr Höhlen als Einwohner. Also ein eindeutiges Topland!


Bei uns ist irgendwie so ein bißchen die Luft raus, da wir jetzt da sind, wo wir die ganze Zeit hinwollten. Nach so langer Zeit fernab der Tourirouten war es sogar ein wenig schockierend, wieder auf andere westliche Traveller zu treffen. Wir freuen uns aber über die Annehmlichkeiten, die die Travellerinfrastruktur so mit sich bringt. Dennoch die Abenteuer scheinen hinter uns zu liegen. Herausforderungen sind rar. Genußradeln ist gar nicht so leicht.


Ich trink ein Beer Lao auf euch - Sok Dee!
Euer Domi

14.11 & 15.11 Luang Prabang
Nachts nicht geschlafen. Paralysiert, aber nach zwei Café Lao geht es aufwärts. Schauen uns die Vats (Kloster) auf der Mekong Halbinsel an, die mit schönen Goldschablonenmustern und Spiegelmosaiken beeindrucken. Hier und da schwirrt ein in orange gewandeter Mönch an uns vorbei.  Ein grundverschiedenes Erlebnis als bei Sehenswürdigkeiten in China. Keine Menschenmassen. Wie auch die ganze restliche Stadt, alles sehr entspannt. Treffen unsere Freunde in der Utopia-Bar und Nora und ich gönnen uns am Abend noch eine laotische Massage. Der Nachtmarkt bietet bunte Buffets und leckeren Mekongfisch. Da wir die ganze Zeit einen falschen Umrechnungskurs im Kopf haben, haben wir doppelten Spaß am Konsumieren. Gemäß den Auflagen für das Weltkulturerbe sind die meisten Häuser höchstens zweistöckig und im Kolonialstil erbaut.
Am nächsten Tag bin ich endlich wieder fit und besuche mit Nora einen Kochkurs. Auf dem lokalen Markt kaufen wir die Zutaten ein. Erstehen kann man dort auch Ochsenblut und Mägen, Kröten fürs BBQ, Seetangcracker oder knuspige Wasserbüffelhaut und vieles mehr. Wir kochen an diesem Tag 5 Gerichte und schauen uns im Anschluß das Kulturzentrum und seine Ausstellung über die Minderheiten an. Ein Mädchen-Mittag tut auch mal gut. Domi verausgabt sich derweil beim Volleyball mit den Jungs. Wir lassen den letzten gemeinsamen Abend in den zahlreichen Bars ausklingen.

13.11 Ban Hadkhair - Luang Prabang 62 km
Stefan Loose - ein wirklich guter Reiseführer. Die Guesthouseempfehlung passt auf Anhieb. Die Nachbarschaft kann nicht von Autos befahren werden, ruhige Palmengärten und die Utopia Bar ist gleich um die Ecke. Möglicherweise die schönste Traveller Bar, in der ich je war. Herrlich sitzt man an dem Flußarm, der ein wenig weiter oben in den Mekong mündet. Bleiben dort bis es dunkel wird. Der erste Eindruck der Stadt ist unglaublich positiv. Eine absolute Reiseempfehlung. Wir sind in sehr guter Gesellschaft von Nora, einer Deutschen, Yotam und Daniel aus Australien, mit denen wir schon im letzten Ort unterwegs waren. Die Stadt ist so klein, dass man sich auch zufällig auf der Straße trifft und es tut gut, Gespräche führen zu können, die über die small talk Reiseroute hinaus gehen.

12.11 Nong Kiaw -Ban Hadkhair 80 km
Der morgendliche Hahnenschrei leitet den Tag ein. Ein Handwerker packt seinen Maschinenfuhrpark auf dem Nachbarbalkon aus. Grund genug, Hals über Kopf doch noch das Boot zurück zu nehmen. Wir radeln gemeinsam mit Yotan aus Israel die heutigen 80 Kilometer und kehren gleich 2 Mal ein. Zelten an einer Wegbiegung runter zum Fluß Ou.

10.11 Nong Kiaw - Muang Ngoy per Boot - 11.11 Ruhetag
Zustand: elend. Es regnet unermüdlich aufs Heftigste weiter. Wir nehmen ein völlig überfülltes slow boat flußaufwärts zum nächsten Dorf. Ich ging während dieser Stunde fest davon aus, dass dieser mickrige Kahn in den, vom Unwetter aufgewühlten, Fluten sinken würde. Gott sei Dank wurde uns das aber doch erspart und wir entfalteten uns am Anleger aus der Zumutung von Körperhaltung, in die uns das überfüllte Boot gestaucht hatte. Die Wege hatten sich in Matschpisten verwandelt und es mußte ja ein Bungalow mit Flußblick und Hängematte sein. Das nahm einige Zeit in Anspruch. Verschlammt und schlecht gelaunt gelang das am Ende auch. Das Dorfleben kam an diesem Tag fast zum erliegen. Kein Buffet zum Abendessen, dafür aber Kälte. Da hatten wir schon bessere Tage.
11.11 Ruhetag Muang Ngoy
Der Regen hat aufgehört, Hoffnung keimt wieder auf. Der Tag startet mit einem grandiosen Frühstücksbuffet. Wir machen mit anderen Travellern einen Ausflug zu den umliegenden Dörfern und einer Höhle. Fürchte, morgen habe ich Muskelkater. Noch nie haben wir so viele Schmetterlinge wie hier in Laos gesehen. Lesezeit in der Hängematte und ein Treffen in der Beachbar füllten die Zeit bis zum Abendessenbuffet aufs Köstlichste. Spielen mit dem Gedanken, morgen noch um einen Tag zu verlängern.

8.11 & 9.11 Nong Khiaw

"I love America, but politicians make me sick. If i ever run for president, then please shoot me. Let´s hope these socialists haven´taken our guns by that point." Donald Trump


Das ganze Dorf ist voller Hühner und Hähne und man kann sich gewiss sein, dass man auf jeden Fall im Morgengrauen geweckt wird. Wir ziehen in ein größeres Guest House um, um Internet und eine große überdachte Terrasse für das Schmuddelwetter zu haben. Zwei Jahre habe ich darauf gewartet, jetzt ist es endlich wieder so weit. Einstündige Ganzkörpermassagen für 6 Euro. Ich dufte den ganzen Tag nach Zitronenmassageöl und freue mich endlich in Südostasien zu sein. Essen gehen hier ist so ein Thema für sich. Es ist ratsam mit einem sättigenden Fruitshake zu starten, denn dann muss man erst Mal eine Stunde oder länger warten, um dann nur die Hälfte des Bestellten zu erhalten. Da wir gestern bei der Cocktail Happy Hour mit ein Paar Franzosen versackt sind, machen wir heute einen alkoholfreien Tag. Faulenzen den ganzen Tag.
Den Folgetag beginnen wir mit den US Wahlen. Oh wei. Wetter besser als gedacht, aber zu unbeständig, um einen Ausflug zum Viewpoint zu machen. Ab und an ein bisschen Langeweile ist auch nicht verkehrt. Der 2. Besuch in der Cocktailbar stellte sich am nächsten Tag als ein Fehler heraus, haben aber nette Leute kennengelernt.

7.11 Banlak - Nong Khiaw 68 km
Schmetterlinge und Nachtfalter belagern unser Zelt. Starten heute früh und fahren die 200 Höhenmeter, die ich am Vortag nicht mehr gepackt habe. Danach folgt eine 900 Meter Abfahrt. Sehr schön. Fahren hier in Laos die Abfahrten etwas konservativer, da wir seit wir hier sind, so viele Unfälle gesehen haben, wie auf der ganzen Tour noch nicht. Straße (Nr. 13)weiterhin gut und auch die Infrastruktur lässt keine Wünsche offen. Wir machen einen 60 Kilometer langen Abstecher nach Nong Khiaw. Auf der Nebenstraße hat der Asphalt etwas gelitten, aber noch alles im grünen Bereich. Unser Ziel ist ein Ort, der im Reiseführer so beschrieben wurde: " Hier hat die Natur nicht gekleckert, sondern geklotzt". Da müssen wir hin. Am Nam (Fluß) Ou gelegen, von Karstbergen umgeben beziehen wir einen Bungalow mit Flußblick. Eine Hängematte auf dem Balkon und eine 1A Traveller-Infrastruktur im Städtchen. Es locken ein Paar Tage Urlaub, die der Körper auch dringlich einfordert. Leider ist extremes Regenwetter angesagt die Tage, aber wir werden es uns schon schön machen hier.

6.11 Namu - Ban Lak 44, 94 km 1750 HM
Hören im Zelt liegend den "Fuck-you-Geko". Diese Gekos sind groß, locker 30 cm, und sein Ruf hat zu seiner Namensgebung geführt. Schöner Sternenhimmel in der Nacht.
Morgens fahren wir mit dem ersten von den drei heutigen Pässen dem Nebel davon.Die Steigungen sind nicht so krass wie in Südchina. Von oben sieht der Nebel aus wie ein Meer zwischen den wie  Inseln daraus die Bergspitzen hervorlugen. Thermometer klettert heute auf über 30 Grad - schon lange nicht mehr so geschwitzt. Wir legen mittags eine Beer-Lao-Pause ein, die absolut nicht leistungsfördernd ist. Komme den letzten Berg fast nicht mehr hoch. Zelten auf einem verlassenen Grundstück an einem See. Sehen heute Weihnachtssternbäume, Hibiskus und Engelstrompete.

5.11 Mengla - Namo 99.99 km
"Zaijian Zhonguo - Sabai dii Lao" Auf Wiedersehen China - Guten Tag Laos
Grenzübertritt irritierend unproblematisch. An der Grenze treffen wir eine große Gruppe Westler, das hatten wir schon lange nicht mehr. Nach einer Tom Yam (säuerliche Zitronengrassuppe) mühen wir uns erst einmal ab Kip, die laotische Währung, aufzutreiben. Eine Viertelstunde am Bankautomaten muss man einrechnen. Laos zeigt sich schon nach einigen Kilometern von seiner Schokoladenseite. Viele Dörfer und jedes von ihnen hat einen Pub. Laoten sind ihrem Beer Lao und lauter Musik zugetan, wie es scheint. Wir folgen der gewundenen und gut asphaltierten Straße. Die Hügel sind bedeckt mit Mischwald und Kautschukplantagen. Die Dörfer gefallen mir mit ihren Pfahlbauten. Viele der Wände bestehen nur aus Bambusmatten und die Dächer sind mit Palmwedeln gedeckt. Wie diese Leichtbauweise die Regenzeit übersteht weiß ich nicht. Es ist Samstag und scheinbar Waschtag. Jede Leine und jeder Zaun ist bedeckt mit einem Potpourrie aus bunten Kleidern. Groß und Klein begrüßen uns mit einem vielstimmigen Sabaidii. Gönnen uns heute direkt 2 der Nationalspeisen. Laap (Fleisch mit Kräutern) und Papayasalat. Sehr lecker. Wir lernen seit einer Woche fleißig Laotisch und wenden direkt heut die ersten Brocken an. Zelten auf einem ähnlichen Plateau wie schon vor zwei Tagen. Achten auf jeden Fall darauf, auf den Wegen zu bleiben, weil wir keine Bekanntschaft mit den Bombies des Indo-China-Kriges machen wollen.

4.11 Mingyuan - Mengla 30 km
hellhole to laos
Wegen einer Sperrung der G 213 nehmen wir heute wieder die Schnellstraße. Die Straße ist unglaublich staubig und ein Tunnel reiht sich an den anderen. Es geht dazu steil bergauf, was das Tunnel fahren noch unangenehmer macht. In den unzureichend oder gar nicht beleuchteten Tunneln stießen wir auf tiefe Schlaglöcher. Fahrlässig, so was nicht zu beseitigen. In einem 4 km langen Tunnel gab es dann noch einen doppelten Auffahrunfall. Der Stillstand im Tunnel bewegte die Autofahrer aber nicht dazu, den Motor abzuschalten. Schwaden von Abgasen waberten aus der Röhre  - Kohlenmonostoffdioxidvergiftung schien denen ein Fremdwort zu sein. Das war uns zu brenzlig dort durchzufahren, deswegen machte ich mich auf die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit. Ich schnackte zufälligen den Richtigen an, wohl einen der Bullen, der etwas zu sagen hatte, der uns prompt mit seinem Pick-up unbeschadet durch den für alle anderen unpassierbaren Tunnel transportierte.
Domis Rad ist heute an der Reihe rumzumucken, aber das bekommt Domi ("the mechanic") schnell wieder in den Griff. Wir fahren nach Mengla ab, um Mittag zu essen und sind schnell angetan vom Flair der Stadt. Blauer Himmel und palmengesäumte Straßen tragen ihres dazu bei. Da wir einfach ein gutes Hotel mit Frühstück finden, beschließen wir, den letzten Tag in China zu zelebrieren. Wir machen einen Stadtbummel, statten einer Patisserie und einem Biergarten einen  Besuch ab und schlemmen zu guter letzt in einem Fließband-Restaurant. 90 Holzstäbchen haben wir verputzt auf denen Gemüse, Fleisch und Fisch aufgespießt sind. Was fürs Auge und auch den Magen. Herrlich.
2 einhalb aufregende Monate in China gehen zu Ende. Wir haben von Wüste, über Hochgebrige, bis zu den Tropen alles mitgenommen und viele nette Chinesen getroffen. Besonders imponiert hat mir, dass sie sich keine Gedanken darüber machen, was andere über sie denken. Mit Lockenwicklern im Haar in den Zoo gehen. Why not. Das hat Vorbildcharakter.

WE LOVE CHINA!

3.11 Wald - Mengyuan 98 km, 1550 HM
Zelt klitschnass. In den Tropen herrscht nachts 90 % Luftfeuchtigkeit, auch bei gutem Wetter. Leider ist nun der problematische Part der Reise angebrochen, an dem die meisten Komponenten des Rades kaputt gehen. Wie ich bereits mehrfach angedeutet habe, bin ich mit dieser Situation heillos überfordert. Ich verfalle in eine Hysterie, sobald irgendetwas kaputt geht. Dies provoziert leider bei Domi eine "dein Rad, dein Pech"-Attitüde. Da haben wir das Schlammasel. Das Problem der Kette und des Umwerfers haben wir dann aber schließendlich doch gemeinsam untersucht und behoben. Sollte bis zum nächsten Mechaniker heben.
Unsere Beine sind schwer, müssen aber trotzdem heute einige Berge bezwingen. Belohnen uns mit gleich drei Mal essen gehen. Wir freuen uns schon auf eine neue Küche in Laos. Die Grenze ist nur noch 80 km entfernt :).
G 213 ist eine staubige Baustelle, deshalb retten wir uns in ein Hotel. Heute haben wir aus dem Wald die erste Affenschreie vernommen. Bin gespannt, wann wir die ersten zu Gesicht bekommen.

2.11 Jiang Cheng - Wald an der S214 90 km, 1600 HM
Nach dem Nudelsuppenfrühstück der nächste Platten. Das erste Mal gelingt es mir, ruhig zu bleiben und ohne Murren die Reperatur durchzuführen. Mein Reifen ist halt echt durch mitlerweile. Morgennebel hat sich verzogen, hohe Luftfeuchtigkeit bleibt bestehen. Bevorzuge die heutige Mittelgebirgsetappe, bei der die Anstiege etwas kürzer ausfallen und sich mit rasanten Abfahrten abwechseln. Fühle mich mittlerweile auch bei 60 km/h absolut sicher und genieße.
Die Straße verläuft durch eine liebreizende Gegend voller Bananenmeere und vereinzelten Palmen. Mannshohe Farne und eine beeindruckende Pflanzenvielfalt. In einer ohrenbetäubenden Lautstärke meldet sich auch die Tinitus-Zikade zu Wort, wie wir sie genannt haben. Ihren Lauten zu folge muss sie einen Meter groß sein. Ich hoffe, wir werden sie nie zu Gesicht bekommen. Die Dörfer hier weisen eine hübsche Holzarchitektur auf. Die Einwohner sehen nicht mehr sehr chinesisch aus, eher wie Thai. Auch die Kleidung erinnert daran. Enge, bodenlange Röcke in kräftigen Farben. Ornamentstreifen mit eingewebten Goldfäden. Dazu ein passendes Oberteil mit Puffärmelchen.
Leider war der platte Reifen nicht das einzige Problem heute. Am letzten Anstieg verabschiedet sich meine Kette. Es bleibt einem nichts erspart..
Wir zelten auf einem Plateau, das zurückgelassen wurde, nachdem ein Teil des Berges abgetragen wurde. Werden nur von ein paar Faltern attackiert, ansonsten ein guter Platz.

1.11 Black River - Jiangcheng 68 km 1500 HM
Regen über Nacht und ab dem Nachmittag erneut starker Regen. Domi ist scheinbar nicht gut auf mich zu sprechen und fährt die Bergetappe heute ohne mich. "18 km geradeaus. Sehen uns beim Gipfel". Anstrengend und dazu das Wetter. Macht wenig Spaß. Als es schüttet wie aus Eimern, stellen wir uns unter und essen eine Nudelsuppe. In dieser Region bekommt man eine Basic Suppe und kann sich danach nach eigenem Gusto Allerlei Chilliflocken, Kräuter und so weiter hinzufügen. Nahrhaft aber wenig schmackhaft. Heute haben wir Kautschuk- und Teeplantagen passiert. In Jiangcheng ist die Hotelsuche etwas beschwerlich, jedoch werden wir schließendlich fündig. Tolles Zimmer mit Frühstücksbuffet.

31.10 Mojiang - Black River 100 km
"Kate Moss and some slices of pizza" Aufschrift auf einer Jeansjacke
Wetter heute trocken, Wolken bewahren uns vor Überhitzung. S 218 macht Spaß. Wenig Verkehr und die verbleibenden Autos sind Gott sei Dank auch nicht mehr so hupwütig. Belag ist gut und es geht mehrheitlich bergab. Hügel voller terrassierter Felder und tropische Wälder. Gruppen von Bambusstämmen, hoch wie Häuser. Durch ihre Größe und Biegsamkeit lassen sie die Köpfe bereits wieder hängen. Es bietet sich heute ausführlich die Gelegenheit, den Reifeprozess der Bananenstauden zu studieren, da deren Anbau wohl die Haupteinnahmequelle der Hani-Minderheit zu sein scheint. Sie leben in ärmlichen und oft stinkenden Dörfern mit ihren Hühnern, Schweinen und Wasserbüffeln. Wir folgen dem Verlauf diverser Flüße und schlagen unser Zelt standesgemäß in einer ziemlich abschüssigen Bananenplantage mit Flußblick auf. Versorgungslage heute besser, als Open Street Map  hätte vermuten lassen.

30.10 Mojiang Ruhetag
Wir sind hier geblieben, weil jede Mengen Regen angesagt waren. Schließendlich war heute sogar blauer Himmel zu sehen und kein Regentropfen fiel vom Himmel. Was soll's.
Ein neues Handymodell wurde auf den Markt geschmissen. Dies nahm der Laden vor unserem Hotelfenster zum Anlaß, einen Riesenkrach zu veranstalten. In schrägster Karaokemanier und in ohrenbetäubender Lautstärke wurde ab neun Uhr morgens  der Laufkundschaft (uns uns) eingeheizt. Wir flüchten uns in ein ruhigeres Hotel in einer Nebenstraße. Der Umzug kommt gelegen, da wir durch das Entschlammen unserer Sachen das Badezimmer so verwüstet haben, das es eh eigentlich nicht mehr betretbar war.
Beim Reparieren meines Plattens fällt auf, dass Domi auch einen hat. Shit happens - besonders gerne nach einer Fahrt auf der Autobahn. Der Vormittag ist also vergeudet durch Reparieren und den Umzug.
Am Nachmittag erkunden wir die Parks und die Altstadt. Gefällt.

29.1o Qinglongchang -Mojiang 60km
Willkommen in den Tropen
Nach der Abfahrt über die höchste Brücke der Welt, die den red river überspannt, stellt sich heraus, dass uns nun eine (gefühlt) nicht endenwollende Steigung erwartet. 1200 HM steil nach oben, dazu Starkregen. Als ob das nicht genug wäre, verliert mein Hinterrad wieder Luft. Seid ihr schonmal mit nur einem Bar Reifendruck steile Berge hochgefahren? Eine sehr unangenehme Plackerei. Uns ist klar, dass offiziell Radeln auf der Autobahn untersagt ist, jedoch hat uns bisher niemand aufgehalten. Heute versuchen gleich drei mal Uniformierte uns aufzuhalten. Schließendlich stoppen können sie uns aber erst eine Ausfahrt vor Mojiang. Gut, dass nie jemand Englisch kann, so entgehen wir einer Bestrafung. Wir sind naß bis auf die Knochen. Überfahren den 23,5 Breitengrad und sind nun offiziell in den Tropen. Wer hätte da so ein Dreckswetter erwartet...Heiß duschen, entschlammen, trocknen, Kaffee. Mojiang sind wir also. Die Stadt der meisten Zwillingsgeburten Chinas. Da muss man mal gewesen sein...Beschließen morgen einen Ruhetag zu machen, da noch schlimmeres Wetter angesagt ist.

28.10. Yuxi - Qinglongchang 106 km
Morgens in die natürlich in keinster Weise getrockneten Klamotten. Dufte wie eine naße Katze. Morgennebel hält sich hartnäckig. Die G 213 entpuppt sich als Schlammpiste. Steil hoch und runter, kein Asphalt, Matschseen über die ganze Straße. Das wird uns schnell zu dumm und wir überklettern bald die Absperrung zur Autobahn. Die Sonne hat sich durchgesetzt und es ist heiß. Machen ordentlich Höhenmeter heute, auch auf der Autobahn. Zuckerrohrfelder und Reisplantagen, bewaldete Hügel - ganz nett hier. Domi unterzuckert vor dem Abendessen, das schmeckte dann um so besser. Spühlen die vegetarischen Köstlichkeiten mit Leichtbier runter und wagen dann die Rückkehr auf die kleine Straße. Schilder deuten an, das diese gesperrt ist. Kämpfen uns aber irgendwie durch die Matschbaustelle, bis wir einen Zeltplatz mit Aussicht auf  Qinglongchang gefunden haben. Die Farmerin lässt uns gewähren. Wir zelten am Rande ihres Gemüsegartens am Hang. Gewitter in der Nacht ein.
Gratulation an uns selbst - 16.000 Fahrkilometer sind absolviert!

27.10 Kunming - Yuxi 107 km

Übrigens: Die Zusammenfassungen schreibt Domi, ich die täglichen Berichte. Bei Fragen zu schlechten Fussballwitzen, wendet euch direkt an ihn ;)


Schade, dass wir Kunming, "die Stadt des ewigen Frühlings" und meine Lieblingsstadt in China, schon verlassen.
Eskalation am Frühstücksbuffet und auf geht es. Das Rad schnurrt sozusagen wie ein Kätzchen. Alles top eingestellt - ein gutes Gefühl. Da die Wetterprognose nicht gut ist, werden wir uns sputen, um nach Laos zu kommen. Wir nehmen den direkten Weg und sollten somit in ca. 10 Tagen die Grenze erreichen. Ich freue mich auf radeln heute. Wir folgen dem Dian See, auf dem Dschunken schippern, und sind erfreut wie einfach man aus dieser großen Metropole hinausfahren kann. Kakibäume am Straßenrand haben schwer an all ihren reifen Früchten zu tragen. Leider ist die Gegend dicht besiedelt und wir haben ordentlich Gegenwind. Schlagen auf einem noch unbebauten Baugrund unser Zelt auf. Pünktlich fängt es in dem Moment an zu schütten, in dem wir das Zelt aufschlagen wollen. Der Boden ist steinhart, die Leinen verheddert, alles voller rotem Schlamm. Unangenehm.

Minority Report / Im Lande der Yi: 13.10. - 25.10 Chengdu - Kunming, 926 KM, 12.518 HM


"Wir sehen zwar aus wie Japaner, aber wir hassen die Japaner."


In Sachen Patriotismus und der Ablehnung des Erzfeindes wollen die hiesigen ethnischen Minderheiten den Han-Chinesen in nichts nachstehen. Hier in den Südprovinzen Sichuan und Yunnan leben die meisten der 55 staatlich anerkannten "nationalen Minderheiten". Die Minderheiten wie die Yi leben vorrangig in Dörfern, während in den großen Städten Han-Chinesen dominant sind. Das Gefälle zwischen Stadt und Land könnte dabei kaum größer sein.  Während in Chengdu oder Kunming die Schickeria in westlichen Bars überteuertes deutsches Importbier trinkt und mit Ferraris protzt, scheint in den Dörfern die Zeit vor ca. 100 Jahren stehen geblieben zu sein. Die Minderheiten werden arm gehalten und müssen mit Kleinstparzellen ihr Auskommen fristen. Trotz oder wegen dieser krassen Gegensätze wirbt die Partei allerorten für eine "harmonische Gesellschaft". Kommunismus rulez!


Dennoch. Wir sind jetzt schon über 2 Monate in China und uns gefällt's . Es ist das bisher angenehmste Reiseland mit günstigen und guten Hotels, feinsten Asphaltstraßen, superleckerem Essen, abwecklungsreicher Landschaft und lustigen Einwohnern. Man kann zum Beispiel auch als Erwachsener den ganzen Tag im Tigerpyjama rumlaufen, schrille Katzenmusik im Park veranstalten oder oberkörperfrei und rauchend im Restaurant sitzen und ab und an auf den Boden rotzen.  Keiner nimmt Notiz davon. Für eine Ein-Parteien-Diktatur sind die Leute hier ganz schön laissez-faire unterwegs. Das gilt zu unserem Leidwesen auch für den Straßenverkehr. Hier gilt, wer bremst hat Angst und die lauteste Hupe gewinnt.

Jetzt sind es nur noch ca. 800 KM nach Laos, dann sind wir auch offiziell in Südostasien. Nachdem wir in den ersten Monaten vor allem Strecke gemacht haben, lassen wir es jetzt gemütlicher angehen und nehmen auch mal ein paar Umwege in Kauf. Anstatt direkt nach Ho-Chi-Minh-City zu radeln, wollen wir über Nordlaos, Nordthailand nach Myanmar, um dann das neue Jahr gebührend in Süd Thailand einzuläuten.


PS. Was haben der HSV und ein Ü gemeinsam?

25.20 Kuanghuang - Kunming 42 km & 26.10 Kunming
Durch Chengdu zu fahren, war schwieriger. Erreichen bald unser Hotel. Haben von anderen Reiseradlern Horrorstories von Bettwanzen in günstigeren Hotels gehört, da wollten wir kein Risiko eingehen und sind in ein vielfrequentiertes Budgethotel im Zentrum. Viele europäische Fresstempel locken in unserer Nachbarschaft. Uns wurde geraten, Kunming zu umfahren, sind nun aber sehr froh, es nicht gemacht zu haben. Wir wohnen in einem echt tollen Viertel! Wir haben einen Radladen um die Ecke und die Reperataturen sind ein Schnäppchen. Hätte in Deutschland wohl mehr als das zehnfache gekostet! Nachdem der Mechaniker den obligatorischen Dankeschönkuchen als Trinkgeld bekommen hat machen wir uns auf zum nahen See. Ein Bier und ein Sonnenuntergang. Überall richtig schöne Bars und Cafés. In einer Bar, die tiefgekühlte, italienische Feinkost verkauft, die man sich direkt vor Ort zubereiten lassen kann (?!), trinken wir ein tibetisches Hochlandbier, danach schlagen wir uns den Wanst voll bei den Straßenständen. Gegrillte Aubergine und Fisch. Mann, geht es uns gut!
Am nächsten Tag waren wir im Zoo, gönnen uns eim Fläschchen Prosecco im Feinkostladen (himmlisch) und essen in einer winzigen Seitenstraße Pizza. Kunming ist super.

24.10 Huashitou - Kuanghuang 93 km
Hässliche, staubige Dörfer, Geisterstädte. Nette Ausblicke ergeben sich erst auf der Abfahrt. Der Tag zeigt sich leider als das Gegenteil des gestrigen Tages. Unharmonisch und dazu noch starker Gegenwind. Zeltplatzsuche gestaltet sich in dem Tal als schwierig. Zelten in einem abgeernteten Maisfeld unweit der Straße.

23.10 Dongchuan - Huashitou 55 km, 1661 HM
Gut ausgeschlafen zum Frühstücksbuffet, dass leider nur aus einer Nudelsuppe bestand. Zumindest gut gestärkt starten wir die heutige Bergetappe. Der Anfang war noch holperig, wegen Baustellen und Schotterpisten, aber als wir erst Mal den Bergrücken jenseits der 2000 Meter erreicht haben, ist alles wunderbar. Es weht ein erfrischender Wind, die Sonne lacht. Terrasierte Felder leuchten im Grün von Sojabohnesträuchern und im warmen Rotbraun der bloßen Erde. Sie hat die Farbe von hennagefärbten Haar. Ich liebe die Kiefernwälder, durch die wir fahren. Sie erinnern mich an mediterrane Campingplätze und triggern bei mir das Gefühl von Sommer und Freude. Am Wegesrand viele Imker und ihre Bienenkästen.
Dieser Abstecher hat sich sehr gelohnt und ich habe heute sogar richtig Lust auf Berge fahren. Zelten auf einer wunderbaren Lichtung im Kiefernwald auf einem Vorsprung, der uns einen tollen Ausblick über Felder und das nächste Dorf beschert. Ein glücklicher Tag

22.10 Xiao River - Dong Chuan 38 km
Anfahrt bedeutungslos. Erreichen unser Sports Business Hotel. Unser Zimmer ist eine 35 qm Suite. Nicht von schlechten Eltern. Leider etwas ab vom Schuß. Laufen in die Stadt, um mal wieder in einem großen Laden einzukaufen. Geben dem chinesischen Wein noch mal eine Chance. Auf dem Etikett steht White Wine, in der Flasche ist Rotwein. Die habens raus die Winzer hier.
Gehen "Hot Pot" essen. Überfordert angesichts des chinesischen Menüs. Anderen Gästen setzt der "Hot Pot" wohl so zu, dass sie sich ausziehen müssen.
Freuen uns schon morgen auf das Frühstücksbuffet. Hatten wir schon lang nicht mehr. Danach geht es zu den Red Lands.

21.10 Qiaojia - Xiao River 76 km
Halbe Nacht nicht geschlafen, weil die Stiche so jucken.
Folgen der S 303 südwärts entlang des Jangtze. Herrliche Straße, Wetter heiß, aber noch aushaltbar. Wenig Verkehr und stetiger Wechsel zwischen steilen Anstiegen und entspannten Abfahrten. Biegen ins Tal des Xiao River ab. Die Straße ist beschattet, eine sehr angenehme Abwechslung. Eukalyptusbäume und ein ganzer Wald von Bäumen, die der Mimose gleicht. Zu ihren Füßen wachsen Agaven.
Die Dörfer bestehen aus schmucken und soliden Steinhäusern. Die Dachgiebel sind an beiden Enden dekorativ nach oben gebogen. Geometrische Ornamente in grauer Farbe schmücken die Häuser wie auch die Nieten ihrer grauen Metalltore. Die Felder und Gärten sind üppig.
Zelten neben einigen Gewächshäusern. Eben und niemand da, der uns stört.

20.10 Fengjaping - Qioja 60 km
"international friends"
Tigermücke und Co. setzten mir ganz schön zu. Alles juckt.
Erst mal 10 Kilometer über eine Schotterstraße bergauf zum Aufwachen. Stimmung war schon mal besser. Legen eine Repartaurpause ein, weil mein Hinterrad zur Abwechslung Luft verliert und ein Teil meines Sattels gebrochen ist. Auch Domis Rad hat seine Wehwehchen. Ein Trupp Polizisten wird auf uns aufmerksam. Selfietime is better time. Werden durch den nächsten Tunnel eskortiert. Ein Polizeiwagen vor und einer hinter uns, Blaulicht. Lautsprecherdurchsagen an die anderen Verkehrsteilnehmer. Zum Abschied schenken sie uns vier Packungen "French" beziehungsweise "old bread". Ja, wir Europäer essen nichts anderes.. Natürlich gibts im Gegenzug Fotos für alle.
Weiter geht es durch unzählige Tunnel, die auch oft nicht beleuchtet sind. Auch das kann mich nicht mehr schrecken. Wir überqueren den Yangtze und sagen Lebewohl Sichuan und erreichen die Provinz Yunnan. Wir radeln in die nahegelegene Stadt und checken in ein tolles Hotel ein, da wir, nennen wir es mal beim Namen, stinken. Abends wollen wir in den Stadtpark, werden aber von einem Englischlehrer, der verdammt schlecht Englisch gesprochen hat, aufgegriffen. Er führt uns über den Campus der middle school, auf dem gerade Kung Fu praktiziert wird. Wir besuchen, als Motivationsanreiz für die Schüler, zwei der Englischklassen. Massenhysterie, Selfies, Umarmungen und Autogrammstunde. Danach werden wir noch vom Lehrer zu einem schicken Essen im besten Restaurant der Stadt eingeladen. Gleich zwei Mal an einem Tag wird uns mit Freuden bekundet, wie gut es ist jetzt "international friends" zu haben. Die Polizei und der Lehrer.
Wusstet ihr, dass chinesische Schüler von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr abends Schule haben?? Mon Dieu!

19.10 Haogu - Feng Jiaping 103 km
(Domi,) der große Mann von Sechuan
Haben neben einem Kieswerk gezeltet, die uns morgens mit Lärm und Schaulustigen begrüßt. Eine Frau stellt mich ihrem Kind als die "Ai" vor, die Tante. In China ist man eine große Familie.
Regen morgens, aber auch das geht vorbei. T-shirt-Wetter trotz einer Höhe von um die 2600 M.
Heute scheint ein Feiertag zu sein. Richtig viel los auf den Straßen. Es wird getrunken und in großen Woks gekocht. Viehmarkt und der traditionelle Sonntagsstaat wird aufgetragen. Viele Frauen hier tragen im alltäglichen Leben Maomütze und ein passendes blaues Cape. Die Festkleidung besteht aus einem schwarzen Rock, der im Saum in einem ausgestellten, bunten Plissé ausläuft. Dieses Cape hat spitze Schultern und die Kleidung ist mit Silberverzierungen geschmückt.
Fahren heute drei Pässe mit zum Teil ganz schön giftigen Steigungen, aber all das lohnt sich, denn die Abfahrt ist unglaublich beeindruckend. Auch wenn nur zum Teil asphaltiert, sind die Ausblicke phänomenal. Auf dem Gipfeln gab es nur Kiefernwälder, in der tiefen Schlucht ist alles wieder üppig begrünt und warm. Für Domi ist es der schöneste Fahrtag bisher. Die Natur ist der Wahnsinn. Unser Ziel ist ein Ort am Yangze Fluß. Tropisch hier mit Bananen- und Papayastauden. Zelten außerhalb des Örtchens nach einer Stärkung am Kiosk, in dem sich das halbe Dorf zum Kartenzocken versammelt hat. Der Ausblick auf unserem erhöhten Zeltplatz ist unbezahlbar.

18.10 Niuniuba - Haougu Lading River 62 km
Perfektes Radfahrwetter. Durchqueren heute viele Dörfer. Es verstimmt mich zu sehen, dass viele Männer schon morgens um 9 Bier trinken und das knappe Familienbudget versaufen. Viele Einwohner sind wirklich klein, ich schätze um die 1,40, woraus ich schließe, dass hier seit Generationen nicht übermäßig viel zu Essen gibt. Schwer das mitanzusehen. Geerntet wird heute Getreide, das sie auf auf der Fahrbahn zum Trocknen ausgelegt haben. Zu den vielen Hängebauchschweinen und Federvieh, gesellen sich heute auch Wasserbüffel.
Wir kehren heute zwei Mal zum Nudelessen ein. Unser Speiseplan ohne Jannis ist sehr eindimensional.
Heute wieder einen platten Reifen. Der 5. in 9 Fahrtagen. Zum Ausrasten. Ein Rollermechaniker hat ihn geflickt. Der Typ war aber sehr grobschlächtig, machen wir besser nächstes mal wieder selber.
Zelten schon nach 4 Stunden auf 2.200 Metern. Tagessoll von 1000 HM ist erfüllt und wenn wir weiter hoch fahren friert Domi nur wieder in der Nacht.

17.10 Meigu - Niuniuba 26 km
Erfrischt ans Werk. Taschen entschlammen, verproviantieren und dann die Räder kärchern. Reifen aufpumpen, Umwerfer einstellen und ab geht die Post. Nach 13 km Baustelle endlich wieder ordentlicher Asphalt. Essen zu Mittag und suchen uns dann schon einen Zeltplatz. Ein halber Ruhetag im Grünen. Schlagen das Zelt am Fluß unter einigen Bäumen auf. Ein braunes Pferd und eine schwarze Ziegenfamilie sind die einzigen Besucher an diesem sonnigen und sehr entspannten Nachmittag.

16.10 Haquxiang - Megu 102 km, 2000 Höhenmeter !
"Ein Optimist ist in der Regel jemand, der nur ungenügend informiert ist."
Die Wolken hängen tief über Nacht, daher ist das Zelt klitschnass. Warten daher bis um 10, bis es wieder getrocknet ist. Steil geht es weiter. Wir wissen, dass uns heute ein schlechter Wegabschnitt über den 2900 Meter hohen Pass erwartet. Details sind uns aber nicht bekannt. Ein Autofahrer will uns mit einem "bu hau" davor abhalten, weiterzufahren und mit rotem Matsch bespritze Autos, die uns entgegen kommen, lassen uns Übles erwarten. Aber nun gibt es kein zurück mehr. Bald geht die Straße in Schotter über, der von einer dicken Schicht Matsch überzogen ist. Die letzten 500 Höhenmeter liegen in den Wolken, die Luftfeutigkeit ist hoch, es ist klamm und kühl. Wegen Straßenbauarbeiten mangelt es nicht an Gaffern und großen Drahtstücken, die überall auf der Straße liegen. Mit um die 4 Km/h ruckeln wir im Schneckentempo aufwärts. Oft ist es so steil und die Strecke unwegsam, dass wir schieben müssen. Wir machen kaum Pause, weil es sich nicht anbietet, brauchen trotzdem Stunden bis wir den Gipfel erreichen. Schön ist der Nebelwald voller Moose und Luftwurzlern. Die Abfahrt ist zum größten Teil auch nicht asphaltiert und wir passieren dutzende von Baustellen und Matschseen auf der Straße. Dank hundertausender Schlaglöcher schlägt sich Domi ein Stück Zahn aus und ich gehe auf Tuchfühlung mit meinem Oberrohr. Aua.
Wir passieren Dörfer mit brennendem Müll und völlig verdreckten Kindern. Die Erwachsenen sind mager. Restaurants - Fehlanzeige. Da auch der Sonnenuntergang naht, geht es immer weiter ohne Pause. Wir versuchen die nächste Stadt zu erreichen, weil wir uns nach einem Restaurantbesuch und Hotel sehnen. Erreichen den Ort erst im Dunkeln. 2 Bullen eskortieren und zu einem Hotel. Natürlich geht es nochmal 200 Höhenmeter bergauf. Mein Umschalter gibt den Geist auf. Ich weiß im Nachhinein gar nicht, wie ich da noch hochgekommen bin.
Als und das erste Hotel abweist, breche ich in Tränen aus. Das war zu anstrengend heute. Checken dann ins Hotel des Grauens ein. Mir ist zu dem Zeitpunkt schon alles egal. Kotze auf der Eingangstreppe, ein nach Urin stinkendes Treppenhaus. Abgelöste Tapeten und ein Teppich mit Eigenleben. Spielt alles keine Rolle mehr. Nach einem üppigen Abendessen ab ins Bett.

15.10 Edian - Haquxiang 60 km
Noch mehr "I"
Wir denken viel an Jannis, da er heute leider einen schönen Fahrtag verpasst. Es ist warm und nach 10 Tagen sehen wir endlich mal wieder die Sonne. Es herrscht wenig Verkehr und die Straße ist gut und schön gelegen. Wir folgen dem Flußlauf in die Berge. Das Sichuanbecken ist nun endgültig Geschichte. Steile Abschnitte fordern heute auch mal wieder den Einsatz des kleinsten Ganges. Bananenstauden stehen neben Nadelbäumen und Bambusstämmen dick wie ein Baumstamm. Farne bedecken den Boden. Riesige Schmetterlinge sichten wir, so wie einen wunderschönen Vogel mit zwei sehr langen blauen Schwanzfedern, die in einer weißen Spitze enden. Ornithologe sollte man sein. Viele Wasserfälle am Wegesrand. Passieren heute sehr viele Dörfer der "I-Minderheit". Erst recken sich uns viele verdutzte Gesichter entgegen, das sich dann in ein Lachen verwandelt. Ein Chor von "Hello"s begleitet unseren Weg. Hochgereckte Daumen oder ein "Bless you". Sehr nett die I. Die Frauen haben oft wieder einen aufwendigen Kopfputz an und qualmen ohne Unterlass Zigaretten. Ihre Gesichter sind wettergegerbt und fast jede trägt ein Kind auf dem Rücken. Diese Babys haben oft ein buntes Mützchen an, dass mich an die Kölner Jeckenkappen erinnert. Ihre Häuser sind mit totemartigen Holzverzierungen geschmückt. Die Türrahmen mit Federn oder Spiegeln. Wir zelten unweit des Flußes, als es abends zuzieht.

14.10 Emei - Shaping / Ebian 65 km
Qi you - Fahrradfreunde
Nebel und Nieselregen. Leider kommt mit der fehlenden Fernsicht die schöne Landschaft nicht so zu Geltung. Nerviger Schwerlastverkehr. Gefährliche Überholmanöver der anderen, kein Spaß für uns. Ginkobäume, Bambuswälder, Reisfelder. Riesentausendfüßler und Gottesanbeterinnen auf der Straße. Leider schon wieder ein platter Reifen an meinem Hinterrad. Verliere auch nach der Reperatur Luft, so ist der Anstieg doppelt anstrengend.
Nach zwei großen Anstiegen suchen wir uns in der Provinz Edian ein Hotel am großen Fluß. Der Ort sieht auf den ersten Blick nicht toll aus, den Eindruck revidieren wir aber nach einem Spaziergang.
Haben ein fantastisches Abendessen. Stopfen uns total voll. Auf der anderen Seite des LED beleuchteten Flußes versuchen wir einen neuen Reifen zu kaufen und geraten an sehr zwei sehr nette Mitglieder des hiesigen Radvereins. Sie setzten alles in Bewegung für uns und abends sitzen wir zusammen, trinken Bier und ich bin glücklicher Besitzer eines neuen Reifens. Die Jungs sind nachts noch losgezogen und haben die Bekanntschaft der hiesigen Minderheit. der I, gemacht.
Domi ist ganz selig. Finde es auch schade, dass uns Jannis am nächsten Tag schon verlässt.

13.10 Chengdu - Emei 148 km
Trübes, diesiges Wetter. Sonnenschein und blauen Himmel bekommen wir nicht zu sehen. Jannis strotzt vor Energie und führt unsere Radkolonne die meiste Zeit an. Die beiden sind Brüder im Geiste - hätte nicht erwartet, dass es jemanden gibt, der noch mehr singt als Domi. Auch Panda-Wechselgesänge dürfen nicht fehlen. Herrlich die beiden. Üppige Flora, viele Fischzuchten und landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Jannis stürzt beinahe und schafft es nur durch einen zirkusreifen Stunt wieder aufs Rad zu springen. Abends startet er einen weiteren Versuch der Selbstverstümmelung und rutscht aus - in einer Kehrschaufel!
Leider heute viel Verkehr. Moral aber gut. Wir genießen ein großartiges Mittagessen. So super jemanden dabei zu haben, der die Landessprache beherrscht. So erfahren wir auch wie die Ortsnamen heißen. "Gelber Drache" macht mehr her als ein chinesischer Name. Fahren heute an die 150 Kilometer, weil wir morgen für die Berge frische Beine haben wollen. Ab ins Happy Sunshine Hotel und dann in die rote Stern Kneipe.

4.- 13.10 Chengdu
"I don´t like pandas. Oh no, I LOVE THEM" Jannis (interpretiert Macka B neu)
Die Highlights der Schlechtwetterwoche ist ein Ausflug zur Panda-Aufzuchtstation. Trotz Ferienwoche ist der Ansturm erträglich. Wir sind rechtzeitig dort, um die Pandas beim Frühstück oder dem anschießenden Nickerchen zu beobachten. Entzückend.
Auch den Ausflug zum Kung Cheng Shan war sehr beeindruckend. Wir wanderten 6 Stunden über unzählige Treppen durch satt grüne Regenwälder. Wir folgten einem Flußlauf, um schließendlich auf dem Grat des Berges bis zu einem Tempel hinaufzusteigen. Die Kinder haben eine (fast) unermüdliche Energie an den Tag gelegt. Noch drei Tage werde ich nur humpeln können. Ein Muskelkater, der dem nach meinem ersten Marathonlauf ähnelt, plagt mich entsetzlich.
Des Weiteren werfen wir einen Blick auf das chinesische Nachtleben, Tempelanlagen und das tibetische Viertel. Es kommt mir völlig selbstverständlich vor, in China zu sein. Ich hätte kein Problem hier für einige Zeit zu wohnen, insbesondere in Chengdu.
Auch Carrefour profitiert von unserem Aufenthalt. Wir geben horrende Summen in diesem Supermarkt aus und genießen  Baguette, irischen Käse und Wein. Heute gibt es Weißwurst und Weißbier zum Frühstück ^-^   

Der Abschied fällt uns schwer. Wir sind dankbar für die schönen 9 Tage, in denen wir Urlaub vom Urlaub hatten.

Tibet: 20.09 -03.10.2016 Xining - Chengdu, 1.006 KM 8.190 HM


"Eure Kurve stinkt nach Yak!"


Nun also das osttibetische Hochplateau. Empfindlich kalt ist es auf über 3.500 Metern. Die für China bis dato so typischen Hochhausstädte gibt es hier nicht. Tibet ist noch traditionell, d.h. ländlich, dörflich und vor allem arm. Viele leben von der Zucht von Yaks und Schafen.


Die Tibeter sind überaus religiös. Mönche mit ihren roten Wickelgewändern sind allgegenwärtig. Religiöser Volkssport ist es, Pagoden im Uhrzeigersinn zu umrunden oder sich vor den Tempeln stundenlang niederzuwerfen. Ich halte ja nix von Religion, aber die bunten Fahnen find ich geil.

 

Ob viele Tibeter noch sowas wie einen eigenen Staat wollen, ist schwer zu sagen. Die Tibeter und ihre Kultur sind von den Han-Chinesen zu einem Stückchen lustiger und fotogener Folklore degradiert worden. Die Klöster und Pagoden werden von chnesischen Touristenhorden überrannt. Auf den Hochweiden kann auf Pferden gereitet oder mit Albino-Yaks posiert werden.


Wir sind jetzt bei Jannis in Chengdu und wieder im Warmen. Hier erholen wir und verstecken uns. Es hat nämlich die staatliche Terrorwoche angefangen. 1,6 Milliarden Chinesen versuchen gleichzeitig ihre ganze eine Woche Urlaub so gut es geht auszukosten. Der Verkehr hierher war die Hölle. But we survived. Von Chengdu fahren wir weiter südlich in die Provinz Yunnan und ich hoffe dort, aufmüpfige Hunde zu essen zu bekommen.

3.10 auf nach Chengdu
Es sind nur noch 60 Kilometer zu unserem Ziel. Eine Woche Urlaub in Chengdu :)
Freunde aus Hamburg sind kürzlich herzgezogen und sind so nett, uns im Kreise ihrer Familie aufzunehmen. Wir sind zu Gast in einer gated community im Süden der Stadt.
Die Stadt hat viele Parks und Bäume und wirkt sympatisch. Mir gefällt's. Wir gehen heute lustigerweise bei Ikea schlemmen und es ist schön, am Familienleben teilzuhaben. Vom Bolzen auf dem Decathlon Sportplatz bis zum Tom und Jerry am Abend. Freue mich auf das bunte Programm die Woche. Von der Pandaaufzuchtstation bis zur Critical Mass ist alles dabei. Fotos gibt es dann Ende der Woche.

2.10 Feihang - Dujiangyan 146 km
Tohuwabohu auf den Straßen - noch mehr Verkehr als gestern. Insbesondere Bus- und LKW-Fahrer scheinen zu glauben, ihrem Überhollvorgang mit 1-9 maligen Hupen Nachdruck verleihen zu müssen. Ich stelle mit Faszination fest, dass Architektur und traditionelle Kleidung sich in jedem Landstrich verändert. Schön finde ich den neuen Kopfputz der Frauen. Wenn sie nicht einen Turban tragen, dann ist es ein bestickter Stoffquader, der mit den rund um den Kopf gelegten Zöpfen wie eine Schirmmütze fungiert. Ihre bodenlange Kleider sind farbenfroh und schön bestickt. Wir machen eine Pause im Teehaus. Die Rechnung bezahlt unser Sitznachbar. 30 Grad, da schmeckt auch das Eis wieder. Als nach 40 Kilometern endlich die Autobahn von unserer Straße abgeht, haben wir die Straße für uns.
Was ich nach wie vor beängstigend finde, sind unbeleuchtete Tunnel und mit genau denen fanden wir uns nun konfrontiert. Im Zweiten dieser Sorte waren einige Baustellenlampen angebracht, weil am Farbahnrand viel Schutt lag. Die Lampen hörten dann auf, was total unsinnig ist, da vor uns die Fahrbahneingebrochen war und ein 40 Zentimeter tiefer See entstanden war. Domi konnte mich noch warnen, stürzte selbst aber ins schlammige Wasser. Er verletze sich Hand und Knie, konnte aber Gott sei dank weiterfahren. Die Strecke wurde immer schlechter und mündete in einer eingestürzten Brücke. Ein hilfsbereiter Chinese lotste uns zur nächsten Autobahnauffahrt. Vor den Augen der Polizei fuhren wir direkt in einen 5,5 Km langen, ich fasse es nicht - unbeleuchteten, Autobahntunnel. Zu unserem Glück reagieren die vielen Autos vernünftig. Kein Gehupe, sie halten sich auch ans Tempolimit von 60. Trotz Spurrillen wird es nicht so schlimm wie befürchtet. Weil wir nicht genug zu essen haben bleibt uns nichts über, als immer weiterzufahren. Tunnel um Tunnel Richtung Chengdu. Als wir den letzten Tunnel verlassen sind wir schlagartig in den Suptropen. Hohe Luftfeuchtgkeit, üppige Vegetation. Der Wahnsinn. In der Dämmerung verschlingen wir eine Portion Nudeln, radeln aus der Stadt heraus und zelten in einer matschigen Baumplantage. Es ist bereits dunkel und unser Auftauchen bleibt nicht unbemerkt. Taschenlampenkegel auf dem Zelt, Rufe. Ein freundliches Winken von mir konnte aber scheinabar die Bedenken zerstreuen. Ein Hahn weckt uns vor Sonnenaufgang.

1.10 Songpan - Feihong 119 km
Über 20 Grad, bergab und Rückenwind. Ein Träumchen. Leider Tohuwabohu auf den Straßen. Im Minutentakt brausen Reisebusse an uns vorbei und kaum einer von ihnen lässt sich die Gelegenheit entgehen unser Gehör durch seine mächtige Hupe zu schädigen. Das Prinzip Hupen, statt Bremsen ist hier Konsens. Wir müssen durch einige Tunnel fahren, wo das Hupen unerträglich laut scheint. Mich wundert es nicht, dass es in Deutschland als Nötigung gewertet wird.
Die Landschaft ist traumhaft. Wir fahren durch ein tiefes Tal, die Berghänge sind bewaldet. Malerische Dörfer komplettieren das ländliche Idyll. Es scheinen Dörfer der Hui (der muslimischen Minderheit in China) zu sein, da wir Tempel-Moscheen ausmachen. Die Häuser der Dörfer sind aus Natursteinen und Holz gebaut. Ihre Dachfürsten schön verziert. Am Straßenrand werden an herbstlichen Ständen Äpfel, Pflaumen, Kürbisse und Pilze verkauft. Manche hatten sogar Fasane und Sechuan-Pfeffer im angebot. (Sechuan Pfeffer ist ein heimtückisches Gewürz, das den Mund betäubt -davor muss man sich echt in Acht nehmen.)
Wir zelten nach knapp 120 km. Sind nicht mal 5 Stunden gefahren.

30.9 Lianghe - Songpan 31 km
Das Zelt ist gefroren, daher warten wir bis zum späten Vormittag mit dem Aufbruch. Noch immer sieht man den Atem in weißen Wolken, aber die Sonne strahlt prächtig. Die Landschaft erinnert an den Schwarzwald mit dunklen Nadelbäumen und rustikalen Holzhäusern. In Songpan angekommen, schätzen wir uns glücklich eine günstige Bleibe aufzutreiben, da morgen die "goldene Woche", die nationalweite Ferienwoche der Chinesen, beginnt.
Wir sitzen im Shirt in der Sonne. Das hatten wir lange nicht. Die Altstadt ist zum größten Teil fake. Die Marktstraße jedoch hat es mir angetan. Die Frauen hier tragen ihre Zöpfe in einem mit bernsteinfarbenen Steinen geschmücktem Haarnetz und verkaufen prächtige Pilze auf der Straße. Wir genießen heiße Maronen und abends ein nettes Abendessen zu sechst mit zwei  weiteren Traveller Pärchen.

29.9 Zoige - Lianghe 121 km
Hat über Nacht geregnet, jedoch trocknet der Wind das Zelt im Nu. Domi singt, weil er beschloßen hat, dass ich jetzt wach sein soll, damit er mir vorlesen kann. Schräg, aber niedlich.
Es geht stetig bergauf und zu unserem Glück dreht der Wind in unserem Sinne. Wir befinden uns nach wie vor im Grassland Nationalpark. Heimat unzähliger Wühlmäuse und Co., die Hektar um Hektar umzupflügen scheinen.
Man merkt, dass wir gen Süden fahren, denn auch der heutige 3850 Meter Pass ist schneefrei.
Wir treffen bei unserer zweiten Nudelsuppe des Tages ein schweizer Radlerpaar, mit denen wir uns wieder für den Folgetag verabreden.
Zelten ganz offensichtlich neben einem Fluß und der Straße.

28.9 Langmusi - Zoige 89 km
"Hier wäre ich gerne Kuh" Domi
Nebliger Morgenspaziergang im Kloster. Das Leben als Mönch wird entmystifiziert durch solche Begegnungen. Junge Mönche beim Skateboardfahren. Eine Gruppe von Mönchen beim Rumalbern. Auch nur Menschen in rotten Kutten.
Als wir aufbrechen kommt die Sonne raus - ein Seelenschmeichler. Das Grasland strotz vor grüner Frische und die goldenen Dächer der Tempel glitzern in der Sonne. Nach einem Aufstieg erreichen wir eine beeindruckende Hochebene. Unzählige Tiere weiden hier. Yaks, Pferde und Ziegen so weit das Auge reicht.
Glücklicherweise kann ich rechtzeitig bremsen, als sich ein großes Drahtstück um meine Vorderachse gewickelt hat. Das hätte auch leicht zu einem Überschlag führen können, wenn ein Ende in den Speichen hängen geblieben wäre. Danach war leider alles Glück aufgebraucht und ich habe einen platten Reifen.
Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie ungeschickt ich mich bei Radreparaturen anstelle. Wer außer mir schafft es, das Ventil fast kaputt zu machen, beim bloßen Versuch den Reifen aufzupumpen?
Zu allem Überfluss hat eine Horde Hütehunde beschloßen, uns den Gar auszumachen. Jedoch konnten wir sie mit einem beherzten Spritzer Wasser abwehren, bevor sie ihr Werk vollenden konnten. Passenderweise kreisten über der Ebene schon die Geier. Atemberaubend wie riesig diese Tiere sind.
Wir erreichen Zoige und finden zielstrebig den schäbigsten Laden, um etwas zu essen. Die Köchin bohrt beherzt in der Nase, als sie die Bestellung aufnimmt. Ich hätte am liebsten fluchtartig den Laden wieder verlassen, begnügte mich jedoch mit der Hoffnung auf eine Handwäsche vor der Zubereitung. Die Hoffnung bleibt bis zuletzt..
Radeln aus der Stadt raus und zelten auf einer Wiese.

27.9 Grasslands - Wetlands / Langmusi 90 km
"you have so strong bodies" Chinesen, die uns fotografieren
Es regnet und wir warten deshalb bis 10 Uhr ab. In voller Regenmontur Berge hochfahren ist unangenehm. Es ist kalt und bedeckt. Die Landschaft ist trotzdem sehr schön. Machen nur eine Pause und beschließen spontan nach Langmusi zu fahren. Unser Zelt ist klitschnass und ein beheizter Raum verlockend. Da der kleine, einst malerische Ort, nun alle 2 Meter über ein Hotel verfügt, sind wir sicher, eine günstige Bleibe zu ergattern. Wir treffen dort einen Engländer, den ich in Xiahe beim Wandern kennengelernt habe. Wir checken in  das von ihm empfohlene Hostel ein. Prima Preis, ein netter warmer Aufenthaltsraum und auch mal ein paar andere Reisende. Eine gute Entscheidung.

26.9 Xiahe - G 213 Grasslands 95 km
"behave good and no litter" Verkehrsschild, Gansu
Sehr gut und lange geschlafen. Leseritual mit Kaffee und eine brühend heiße Dusche. So ein Tag im Hotel ist wie ein Wellnessurlaub! Gehen heute frühstücken und langen richtig zu. Wetter ist erst mal besser, als die Vorhersage vermuten ließe. Den heutigen Anstieg ziehen wir durch, nur von einem Nudelessen unterbrochen. Die Beine sind frisch und die 1000 Höhenmeter gehen gut von der Hand, oder Bein. Wie auch immer. Die Grasslands sind schön anzusehen und wir durchfahren viele kleine tibetische Dörfer. Mir gefällt deren Bauweise. Den meisten Häusern ist eine Art Wintergarten angegliedert. Vielleicht damit die gute Stube beim eintreten nicht gleich auskühlt. Die Tibeter tragen noch traditionelle Kleidung. Ihre Mäntel haben extrem überlängte Ärmel, die zugleich auch als Muff fungieren. Die Gesichter sehen aus wie die der Indios.
Steigen über einen Zaun und zelten auf einer Weide. Nachts haben wir Tierbesuch, aber was auch immer es war, es zieht unverrichteter Dinge ab.

25.9 Xiahe Ruhetag
Der Tag steht ganz im Zeichen der Besichtigung des Labrang Klosters. Eines der sechs wichtigsten Klöstern der Gelbmützen-Sekte innerhalb des Buddhismus. Wir erleben einen kleinen Einblick ins Klosterleben. Wir beobachten die Mönche beim Rezitieren der Sutras, sehen gläubigen Tibetern bei ihren Niederwerfungen und Runden um die Heiligtümer zu. Oft steht eine Tür offen, durch die man einen Blick werfen kann. Um die riesige Klosteranlage führt ein Weg mit zahllosen, schön bemalten Gebetsmühlen. (Die guten Wünsche für euch sollten sich bald bemerkbar machen :) Ein Ort mit schöner Atmosphäre.
Die Sonne lacht und es ist warm. Xiahe selbst ist auch überschaubar und angenehm. Wir haben etliche tibetische Spezialitäten gekostet. Yakbuttertee war nicht so unser Fall, aber ein Brei aus geröster Gerste mit Zucker und Yakkäse, aufgegossen mit Tee schmeckt, mir zumindest, ganz vorzüglich. "Momo" (gefüllte Teigtaschen) sind nichts besonderes, so ein Gericht scheint es in jedem Land unter einem anderen Namen zu geben.
Der Tag wird abgerundet durch eine Wanderung zu einer Aussichtsplattform zum Sonnenuntergang, zahllosen Milchkaffees und einem erquickenden Mittagsschlaf. Ein schöner Tag.

24.9 Sirou - Xiahe ca. 30 km
Domi hustet sich in den Schlaf und es ist auch das erste was ich morgens von ihm vernehme. Die Kälte und die Anstrengung scheinen ihren Tribut einzufordern. Ich nieße aus Solidarität mit. Wir machen ja alles gemeinsam auf dieser Tour :)
Aber heute ist es ja nur noch ein Katzensprung in die nächste Stadt, in der wir zwei Übernachtungen bleiben wollen. Zwei warme Übernachtungen in einem hoffentlich gut geheizten Zimmer.
Die Serpentinen und die Abfahrt sind schnell gemeistert, dann fragen wir uns durch einige Hotels. Wir wollen Traveller treffen und entscheiden uns daher für ein Youth Hostel. Als uns dann aber eine kalte Dusche erwartet und ein ungeheizter Raum, packen wir wieder unsere sieben Sachen und suchen uns ein wärmeres Plätzchen. Wir wollen heute so wenig wie möglich machen, damit Domi schnell wieder ganz gesund wird und meine Beine wieder ganz frisch sind übermorgen.

23.9 Langjia - Sirou 51 km 1300 HM
Ein Schauer ging über unser Zelt nieder und morgens war es eisig kalt. Domi las mir erst Mal eine gesammte Zeitungsausgabe vor, bevor ich es wage mich aus meinem Schlafsack zu schälen. Domi hustet und hat Halsweh.
Unser Zeltplatz befindet sich auf einer ausgedienten Terrassierung am Hang neben einem tibetischen Dorf. Die Tibeterinnen sehen ein bisschen wie Indios aus. Ihre Haut ist dunkler und die tragen ihre Haare in langen schwarzen Zöpfen. Sie tragen ein schwarzes, bodenlanges Gewandt mit einem roten Gürtel. Ihre Dörfer sind leider sehr ärmlich.
Der heutige Anstieg ist steil, aber die Landschaft sehr schön. Als wir dreiviertel der Steigung hinter uns gebracht haben kehren wir ein und essen Yak-Nudeln und wärmen uns am Kohleofen, auf dem unermüdlich Tee aufgebrüht wird. Rotbackige Kinder freuen sich über so ungewöhnlichen Besuch in ihrem Dorf. Fröstelnd machen wir uns daran, die letzten 400 Höhenmeter für heute zu überwinden. Wir zelten in der Hochsteppe. Eine Heizung im Zelt wäre gut. Wir sind total schmuddelig und bräuchten dringend mal eine Dusche.

22.9 Yashiga - Langjia 77km
Bewölkt, regnerisch, neblig begrüßt uns der neue Tag. Die Landschaft ist regelrecht entstellt von der neu gebauten Autobahn. Sie frisst die Ausläufer von Bergen und die Brücken durch die Täler nehmen die Sicht. Wir fahren am Gelben Fluß entlang. Erinnert uns ein wenig an den Panj River aus Tadschikistan. Ständiges Auf und Ab.
Meine Oberschenkel schmerzen heute. Wir fühlen uns beide ein wenig unpässlich. Gegenwind gibt uns den Rest. Domi wirft ein, dass unser heutiges Ziel ein Umweg sei und unnötige 500 Höhenmeter bedeute. Adieu Ruhetag. Schlimmer als den Ort nicht zu besuchen, ist für mich die enttäuschte Vorfreude.
Nach einigem Rumlamentieren schmieden wir neue Pläne. Ich bin störrisch wie ein Esel in solchen Dingen (väterlicherseits beerbt:) und brauche dann lange, mich an die über den Haufen geworfenen Pläne anzupassen. Aber auch das gelingt früher oder später und dann sieht die Welt auch schon wieder besser aus. Wir essen lecker und suchen uns dann einen Zeltplatz.

21.9 Xining - Yashiga 95 km
Auf dem Weg zum Frühstücksbuffet bemerkt Domi das Fehlen seiner Visakarte. Wir haben nicht genug Guthaben auf dem Telefon, das Hoteltelefon tut auch nicht. Panik macht sich breit. Jannis in Chengdu übernimmt heldenhaft die Sperrungsformalitäten. (Danke!!) Konto ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht angetastet worden. Glück im Unglück
Eine Großstadt zu durchfahren, gleicht immer dem Schwimmen in einem Haifischbecken. Nach 20 Kilometern erreichen wir endlich den Stadtrand und fahren erst Mal notgedrungen auf die Autobahn. Bei der erstbesten Ausfahrt fahren wir auf die Landstraße ab. In den Dörfern wird auf der Straße gerade der Weizen vom Spreu getrennt. Wir nehmen diesmal gerne die Passstraße mit schönen Ausblicken. Auf dem Gipfel gibt es immer tibetische Opferstätten. Der Boden ist bedeckt von Papiergebetszetteln. Es riecht nach Räucherstäbchen.
Die Abfahrt ist rasant und macht Spaß. Wir finden einen schönen Zeltplatz. Ich schlafe mittlerweile tatsächlicher besser im Zelt als im Hotel.
emerkt Domi das Fehlen seiner Visakarte. Wir haben nicht genug Guthaben auf dem Telefon, das Hoteltelefon tut auch nicht. Panik macht sich breit. Jannis in Chengdu übernimmt heldenhaft die Sperrungsformalitäten. (Danke!!) Konto ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht angetastet worden. Glück im Unglück
Eine Großstadt zu durchfahren, gleicht immer dem Schwimmen in einem Haifischbecken. Nach 20 Kilometern erreichen wir endlich den Stadtrand und fahren erst Mal notgedrungen auf die Autobahn. Bei der erstbesten Ausfahrt fahren wir auf die Landstraße ab. In den Dörfern wird auf der Straße gerade der Weizen vom Spreu getrennt. Wir nehmen diesmal gerne die Passstraße mit schönen Ausblicken. Auf dem Gipfel gibt es immer tibetische Opferstätten. Der Boden ist bedeckt von Papiergebetszetteln. Es riecht nach Räucherstäbchen.
Die Abfahrt ist rasant und macht Spaß. Wir finden einen schönen Zeltplatz. Ich schlafe mittlerweile tatsächlicher besser im Zelt als im Hotel.

20.9 Xining Ruhetag
Wir befinden uns in einer Millionemetropole, der Provinzhauptstadt am gelben Fluß, Xining. Wir empfinden Städte, die mehr auf den Verkehr als auf Fußgänger ausgerichtet sind, immer als zu groß. Überall muß man nach Unterführungen suchen, oder über Zäune klettern, wenn man nur mal auf die andere Straßenseite möchte.
Wir haben wieder die obligatroische Freilicht-Tanzveranstaltung ausgemacht, sowie die völig unmusikalischen Rentner mit ihren klassischen Musikinstrumenten. Am Fluß sitzt man unter Bierschirmen und trinkt das Selbe. Warm versteht sich, am besten direkt eine ganze Kiste. So beobachteten wir dies zumindest.
Die Chinesen scheinen wenig Schamgefühl zu besitzen, zumindest scheint im Pyjama oder in Lockenwicklern raus zu gehen, für den einen oder anderen, ganz selbstverständlich. Was mir auch aufgefallen ist, wäre die Minipli-Dauerwelle der Middleager. Das hat man ja schon seit den 90ern nicht mehr gesehen.
Wir haben uns nichts entgehen lassen heute, auch nicht den Tequila Sunrise bei Pizza Hut.

19.9 Quingshizu - Xining 124 km

6 Monate unterwegs
Morgens leichter Regen und empfindlich kalt. Da es direkt bergauf geht, wird uns aber gleich eingeheizt. Es wird stetig kälter, um so näher wir den Wolken kommen. Der Tunnel durch den Berg liegt bereits an der Schneegrenze und als wir dort ankommen, beginnt es passenderweise auch an zu schneien. Ein Streit entbrennt, da Domi die (in meiner Meinung) Dirt Road über den Pass nehmen will, ich jedoch den Tunnel. Kompromiss ist ein Hitch-Hike in einem Pick-up. Leider löst sich bei dieser Aktion das Zelt, das im Tunnel liegenbleibt. In Windeseile durchfährt Domi den Tunnel und rettet das Zelt unbeschadet. Auf der anderen Seite des Tunnels erwartet uns Eiseskälte und Schneetreiben. Auf der Abfahrt weine ich vor Kälte und stimme nun zu jeder Gelgenheit Protest gegen das Fahren in diesen Höhen an. Sehr zu Domis Leidwesen. Nach einem Nudelessen auf der Abfahrt fühle ich meinen Körper wieder. Ich glaub, Hitze mag ich lieber als Kälte.
Die Abfahrt flacht ab, als wir einen See erreichen und die Temperaturen sind nun annehmbar. Leider müßen wir nach dem anstrengenden Pass noch 110 Kilometer fahren, wenn wir Xining erreichen wollen. Unser Zelt ist naß und es ist kalt, somit steht dieses Ziel außer Frage. Als wir uns der Stadt nähern, gibt es einen Wolkenbruch, der die Kanalisation Xinings zu überfordern scheint. Es sprudelt aus den Gullis nur so hervor. Das Brakwasser stinkt. Die Straße gleicht einem See. Wir mittendrin. Die Autos und Domi schleudern so viel Matsch auf mich, dass ich später im Hotel gefragt werde, ob ich vom Rad gestürzt sei. Wir nehmen anlässlich unserer Durchnäßung eines der erstbesten Hotels. Leider etwas teurer, aber wie schön, nach einer Dusche ins Bett kriechen zu können. Die Stadt ist zu groß für unseren Geschmack, größere Erkundungen verschieben wir auf den morgigen, wohl verdienten Ruhetag.

18.9 Auf dem Weg zum Pass - Quingshizui 113 km
Diese drei Wochen im tibetischen Hochland sind sozusagen unser Winter und das bekommen wir auch heute wieder zu spüren. Nachts hatte es noch 5 Grad und tagsüber können wir nicht ohne Schal, Mütze und Handschuhe fahren. Habe mich jetzt auch wieder ans Bergfahren gewöhnt und genieße die Landschaft. Die Hochebene erinnert mich an Kirgistan. Jedoch haben die tibetischen Hirten Zelte statt Jurten und Yaks statt Pferden.
Wir überwinden heute 2 Pässe. Die Bedingungen sind mit Sonnenschein und guten Wind auf unserer Seite. Wir sichten zu unaerer Freude auch 2 Gopher (fette Murmeltiere). Fett wie eh und je, kann ich mir nach wie vor nicht erklären, wie sie den Bussarden entkommen. Des Weiteren wimmelt es hier von so einer Art großer Hamster. Die scheinen hier die ganze Ebene umgraben zu wollen.
Nach einer schönen Abfahrt kaufen wir noch ein paar Leckereien in einem "Minderheitendorf" der Hui und zelten auf einem abgeernteten Feld. Die Sonne gönnt uns noch ein Abendessen vor dem Zelt, bevor es wieder kalt wird.
Heute überschreiten wir den 100.000 Höhenmeter! Der Tacho war wohl nicht so in Feierlaune und ist direkt wieder auf 0 gesprungen..

17.9 Mati Si - 2850 HM in Richtung zum Pass
Die Nacht war kalt. In vier Lagen eingepackt starten wir den restlichen Aufstieg zum Hufeisentempel. Domi gibt uns als Studenten aus und wir freuen uns, für den halben Eintrittspreis reingekommen zu sein. Dazu ist so früh am Morgen noch weit und breit kein Bus voller Touristen zu sehen und wir haben zunächst die Grotten ganz für uns allein. Toll. Viele Originale sind der Zeit zum Opfer gefallen, aber die liebevolle Restaurierung hat ihre Wirkung auch nicht verfehlt. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt. Nach einer Abfahrt gelangen wir über beschattete Alleen und kleine Dörfer an der Kartoffel- und Crysanthemenblütenernte vorbei. Bergfahren ist heute trotz Rückenwind immernoch anstrengend. Wir halten auf schwarze Berge zu, die sich hinter goldenen Weizenfeldern aufbauen. Dicke Regenwolken hängen in der Höhe, deshalb beschließen wir, vorzeitig einen Zeltplatz zu suchen. Wir brechen in eine Baumplantage ein und zelten versteckt unter Nadelbäumen. Morgen geht es über den 3700 Meter Pass in die Provinz Qinghai.

16.9 Zhangye - Mati Si 57 km
Hamburger Wetter
Starten die Etappe bei Nieselregen. Hatte schon ganz vergessen, wie kalt und ungemütlich ein Regentag auf dem Rad ist. Dazu geht es stetig bergauf. Wir haben beschloßen, einen Umweg für eine Sehenswürdigkeit in Kauf zu nehmen. Wir wollen die Grotten von Mati Si besichtigen. Wir zelten dann 1 Km vor dem Eingang am Rande eines Feldes. Die Aussicht kann sich sehen lassen. Neuschnee auf den Berggipfeln und tibetische Gebetsfahnen auf satt grünen Hügeln.

China 2: 31.08 -15.09.2016 Mulei - Zhangye, 1.219 KM 5.317 HM


"Da kam die Polizei, ja was ist denn das?!"


Die Chinesen haben ja so ziemlich alles erfunden oder zumindest gut kopiert. Zu unsere Leidwesen jedoch weder Schokolade noch Käse. Dennoch sind wir hier essenstechnisch sehr gut aufgehoben. An die Stelle der Eier sind nun drei Mal täglich Nudeln getreten. Die sind hier tatsächlich besser als beim Italiener. Beliebteste Zutat ist hier Knoblauch, den es überall roh dazu gibt. Yeah!


Was die Chinesen zu unserem Leidwesen auch erfunden zu haben scheinen, ist die Autohupe. Aus der Türkei und dem Iran sind wir ja schon einiges gewohnt. Aber die Chinesen gehen grundsätzlich davon aus, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer blind und schwerhörig sind. Beim Überholen wird grundsätzlich alles niedergehupt, auch wenn 10 Meter Platz dazwischen sind. Beim Hupen können die Chinesen endlich mal so richtig Dampf ablassen, was ihnen dank Buddhismus, Taoismus und Co. sonst verwehrt bleibt.


Wir sind jetzt seit 6 Monaten on the Road. Halbzeit! Haben mehr als 13.500 KM und knapp 100.000 Höhenmeter auf der Seidenstraße zurückgelegt. Mission Silkroad accomplished.  Mit der Takla Makan und der Gobi haben wir auch ersma genug von Wüsten. Der 100. Längengrad ist überschritten, ab jetzt geht's  in Süden. Das Osttibetische Hochland wartet auf uns. Seitdem wir uns morgens gemahlenen Tigerpenis ins Müsli mischen, kommen wir auch deutlich schneller voran und wollen schon bald in Chengdu sein, wo wir Jannis & Family sowie die Pandas besuchen :)


Ehe ich's vergesse: Ich wollte euch ja noch darüber aufklären, wie China fachmännisch auf chinesisch ausgesprochen wird. Es ist tatsächlich weder ein "K" wie in Karies noch ein "SCH" wie in Scharlach, wie man fälschlicherweiße immer wieder hört. China wird mit "TSCH" ausgesprochen wie bei Chernobyl, Champions League oder Chinakohl.


Kommt gut in den Herbst! Euer Do Mi

15.9 Gobi Wüste - Zhangye 131 km
Herbstlicher Morgennebel. Die Berge erscheinen dadurch nur in diffusen Blauschattierungen und wirken dadurch abstrakt.
Wir überschreiten heute den 100. Längengrad und befinden uns schon auf der Breite vom Golf von Thailand. Ab jetzt geht es nur noch nach Süden.
Der Fahrtag macht wieder Spaß. Ich hoffe, die Wüste haben wir jetzt endgültig hinter uns gelassen. Wir beschließen, spontan heute schon nach Zhangye zu fahren. Dort besichtigen wir den ältesten, erhaltenen buddhistischen Holztempel Chinas. In ihm verbirgt sich die größte liegende Buddhafigur. Zum Abschluß eines langen Tages essen wir vorzügliche Nudeln. Jetzt endlich Beine hochlegen.

14.9 Jiayuguan - Gobi Wüste 110 km
Während ich das tippe, schauen mir drei Leute über die Schulter...
Ein schöner Start in den Tag. Durchqueren viele kleine Orte, die gesäumt sind von Maisfeldern. Die geernteten Chillis wirken wie rote Farbkleckse. Zwiebeln liegen in ihren bunten Säcken auf den Feldern und warten auf die Abholung. Die Straße ist zweispurig und der Verkehr fließt freidlich an uns vorbei. Mit 27 Grad die perfekte Temperatur. Wir sind verzückt. Zu unserer Freude scheint es hier auch wieder so eine Art Kioskkultur zu geben. Endlich gibt es wieder überdachte Sitzgelgenheiten vor den Geschäften. Alles in allem ein sehr angenehmer Fahrtag. Rechts von uns erstreckt sich das Qian Shan Gebirge, links in der Senke sehen wir hohe Sanddünen der Gobiwüste. Wir fahren in der Mitte davon, in einem Art Steppengürtel mit niederem Bewuchs. Dort zelten wir auch. Schön.

13.9  nach Jiayuguan, 35 km
Fat around the hot pot
Viel gelauscht die Nacht. Auch Domi meinte morgens, dass er die ganze Nacht einen Evakuierungsplan vorbereitet hat. Immerhin sind wir nicht weggeschwemmt worden, denn wie erwartet hat es nicht geregnet. Nehmen die Nebenstrecke zur Stadt und werden von massig LKWs zugestaubt.
Domi will in letzter Sekunde den Ruhetag canceln, aber ich protestiere. Ich fühle mich mehr als schmuddelig.
Domi checkt uns heute ein Zimmer ab und wir treten eine Rundtour durch die Stadt an.

Jiayuguan befindet sich am Anfang des Hexi Korridors und ist der Ausgangspunkt der chinesischen Mauer.
Wir haben uns heute in ein Hot Pot Restaurant getraut. Jeder hat eine Kochfläche und einen eigenen Topf. Der Rest erinnert an Running Sushi. Wir hatten viel Spaß.
Die Stadtplaner geizen nicht an Grünflächen, die auch vielfältig genutzt werden. Wir beobachten einen Tanztee mit scheppernden Boxen. Rentner, die zusammen musizieren. Katzenmusik vom Feinsten. Wir bruzzeln am künstlichen See und lassen den Tag in einer Snack Street ausklingen.

12.9 Yumen - Jiayuguan Pass 86 KM
Erstaunlicherweise kann man auch neben einer Autobahnbrücke einigermaßen gut schlafen.

Da uns am Vortag die Nebenstraße Glück gebracht hat, wählen wir diese auch heute. Leider mit gegenteiligem Effekt. Wir quälen uns von einer Baustelle zur nächsten und kommen nur langsam voran. Verzweifelt suchen wir uns eine Lücke im Stacheldrahtzaun und treten den Rückzug auf die Autobahn an. Domi fährt weiterhin tapfer im Wind. Auf den täglichen Gegenwind scheint in China wirklich Verlass zu sein.
Wir nehmen eine Ausfahrt, um etwas essen zu gehen und werden prompt zum Essen eingeladen. Wir waren zufällig, wie könnte es anderst sein, in ein Sheepmeat Restaurant geraten.
"no rice, no noodels, only sheepmeat" ..Yippi.
Wie sich herausstellt haben wir Lunch mit einem Offizier vom Militärgeheimdienst und seinem Hiwi

("this is my soldier").
Ein Zivilist ist auch mit von der Partie, der durfte dann auch mit aufs Foto. Ob wir wohl auf Spesen und somit Staatskosten gegessen haben?
Um dem Wind zu entkommen, verziehen wir uns in ein ausgetrocknetes Flußbett. Wir wissen es, eigentlich ein no-go da zu zelten, aber wir haben keine Wahl.

11.9 Bulongii - Yumen 90 km
Erntezeit
Stürmische und somit unruhige Nacht. Leider hat der Wind weiter aufgefrischt und Domi muss allein gegen den Wind fahren. Tapfer.
Wir fahren von der Autobahn runter und im Nu hat die Wüste ein Ende. Der Herbst hält auch in China Einzug und die schlanken Baumreihen werfen ihre ersten gelben Blätter ab.
Man sagt, wenn die Sonnenblumen welken, sei der Sommer zu Ende. Ihre abgetrennten Köpfe liegen bereits vor den Höfen zum Trocknen aus, die Kerne daneben aufgehäuft. Wir sehen Stapel von Maiskolben und die Gojibeerenernte.
Die grünen Felder werden von bunt blühenden Blumenbeeten unterbrochen. Bunte Chrysanthemen.
Wir stellen heute einen Rekord auf, indem wir bereits nach 16 Kilometern das erste Mal Nudeln essen gehen. Ich erdreiste mich, den Köchen diesmal genau über die Schultern zu schauen und freue mich schon darauf, zu Hause meine ersten "hand pulled noodels" zu machen.
Leider hat die Oase ein Ende kurz bevor wir einen Zeltplatz suchen und es bleibt uns nichts anderes übrig, als neben einer Autobahnbrücke Schutz vor dem starken Wind zu suchen. Denn in der Wüste gibt es bekanntlich keine Bäume.

10.9 Guazhou - Bolongii 57 km

Nach einer Busfahrt, merkwürdigerweise ohne Passkontrolle, sind wir wieder in Guazhou. Dort essen wir sehr gute Nudeln mit in Öl schwimmendem Gemüse. Problemlos holen wir aus unserem ehemaligen Hotel unsere Räder ab, stellen jedoch fest, dass ich schon wieder einen Platten habe. Domi nimmt sich liebenswürdigerweise der Reperatur an, während ich noch Besorgungen mache. Ich fühle mich einen Tick besser heute und will Domi nicht noch einen Tag länger das geliebte Radfahren vorenthalten, also schwingen wir uns wieder aufs Radel. Geht auch erstaunlich gut, da die Strecke recht eben ist und uns kein großer Wind behindert. Das geht dann auch mit Erkältung.
Domi repariert abends auch noch heldenhaft den Zeltreißverschluss. Domi wird noch zum Feinmotoriker auf dieser Tour.

8.9 & 9.9 Dunhuang
Ein Ort mit der höchsten Hoteldichte, die ich jemals gesehen habe. Der vielen Toursiten wegen sind die Restaurants und Shops  englisch untertitelt (zum Teil sehr skurill). Sehr Aufschlussreich für uns. Spezialität der Stadt ist wohl das Eselsfleisch, von dem scheinbar auch gerne die Geschlechtsorgane gegessen werden.

Da passen wir.
Wir entdecken eine Promenade und künstliche Inseln im Fluß, wo wir ausgiebig Zeit mit Lesen verbringen.
Wir schmuggeln uns dreist inmitten einer Reisegruppe ins örtliche Museum, ohne zu bezahlen. So macht die Ausstellung doppelt so viel Spaß, die schöne Exponate aus Kunst und Geschichte umfasst. Zum Abschluss unserer Ruhetage waren wir auf dem Nachtmarkt.
Bin nach wie vor total erkältet und bin neidisch auf Domis Eintagesgrippen. Hoffe das ist bald vorbei.

7.9 Guazhou - Dunhuang (mit dem Bus)
Die Fahrzeit verdoppelt sich, weil die chinesische Polizei scheinbar ein Bewegungsprofil all seiner Bürger anzulegen scheint. Nach der dritten Passkontrolle von schwer bewaffneten Bullen ist uns auf jeden Fall klar, dass Reisen doch am angenehmsten mit dem Rad sind.
Um den Tag kurz zu fassen: Es lief nicht alles so, wie wir uns das vorgestellt haben. Entspannte Backpacker-Cafés exisiteren nicht mehr und einen Kaffee in einer hippen Location will ich mir nicht leisten. Die Sehenswürdigkeiten sind mit horrenden Eintrittspreisen leider auch nicht zugänglich für uns. Ausserdem scheinen Chinesen eine andere Vorstellung von Tourismus zu haben als wir. Die eindrucksvollen Sanddünen sind in etwa ausgebaut wie Disneyland. Kamelritt und Helikopterrundflug dürfen da nicht fehlen. Allein ein Spaziergang dort kostet schon 20 Euro Eintritt.

Ein Abendessen mit spektakulärem Blick auf die Dünen war das Highlight des Tages. Auch ein Spaziergang hinter den Kulissen durch das Dorf der Kamelbesitzer fand ich spannend.

Leider fühle ich mich mit jedem Tag mehr erkältet.

6.9 Liuyuan - Guazhou 62 km
Unruhige Nacht. Domi fährt die ersten 30 Kilometer vorn, den Rest kreiseln wir gegen den moderaten Gegenwind. Es geht herrlicherweise die ganze Zeit bergab. Das Ödland um uns herum wird genutzt für riesige Windparks.
Haben außer Müsli nix mehr zu essen und, da der Magen knurrt, habe ich es eilig anzukommen. Leider geizen die Chinesen mit ihren Ausfahrten, deswegen müßen wir uns, über einen Abhang und durch einen Stacheldrahtzaun, unseren eigenen Weg in Richtung Stadt bahnen.
Wir sind angenehm überrascht als gleich das erste Hotel, in dem ich anfrage, uns ein nettes, recht günstiges Zimmer anbietet. Sauber und glücklich gehen wir nach dem Bezug des Zimmers im Hotelrestaurant essen und sind entzückt, keine Nudeln essen zu müssen.
Ein paar Milchkaffee später organisieren wir uns über alle Sprachbarrieren hinweg zwei Bustickets nach Dunhuang für den Folgetag. Wir planen, unsere Räder im Gepäckraum des Hotels zu lassen und einen Sightseeing-Ausflug in eine Oase der Gobiwüste zu machen. Der Ort lockt mit einigen Attraktionen und ist zur Abwechslung mal toursitisch gut erschlossen. Wir haben uns jetzt ein paar Ruhetage verdient.
Wir bummeln noch über den Markt und die Nachbarschaft. Abends fehlen Domi dann doch seine Nudeln, also ab in den nächsten Imbiss. Wir haben eine neue Strategie beim Bestellen. Wir zeigen einfach auf verscheidene Positionen und hoffen das Beste. Es gab säuerliche Nudeln mit Chili, scharfer Parpika und so etwas wie Kräutersaitlingen und Nudeln mit Tomatenrührei. Man lernt nie aus.